Dr. Lutz Lyding, Dozent für Wirtschaftspsychologie an der EMS, spricht über Berufschancen für Wirtschaftspsychologen, Beeinflussungstechniken und was das alles mit Sigmund Freud zu tun hat.

Quelle: geralt / pixabay.com

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Herr Dr. Lyding, viele Leute denken bei dem Begriff „Psychologie“ zuerst an Psychotherapie. Trifft das auch auf Wirtschaftspsychologie zu?

Nein, Wirtschaftspsychologie hat nichts mit Krankheit zu tun, sondern handelt von Themen gesunder Menschen, die man zum Beispiel von der Arbeit kennt. Es ist ein Trendfach, das an immer mehr Hochschulen gelehrt wird und für Unternehmen auch einen Mehrwert generiert. Oft muss man aber erst erklären, was man als Wirtschaftspsychologe kann. Auch viele Unternehmer denken meistens zuerst an Sigmund Freud und das rote Sofa.

In welchen Bereichen kann man arbeiten, wenn man Wirtschaftspsychologie studiert hat?

Meistens arbeitet man mit Menschen in Unternehmen, zum Beispiel im Personalmarketing oder in der Personalauswahl. Gut ist, wenn man statistische Daten, die Menschen betreffen, richtig interpretieren kann und der Geschäftsführung damit Empfehlungen für ihr weiteres Vorgehen aussprechen kann. Marketing und Marktforschung sind deshalb auch Bereiche, in denen Wirtschaftspsychologen arbeiten. Studenten sollten sich trauen, sich auch auf Stellen zu bewerben, die nicht explizit für Wirtschaftspsychologen ausgeschrieben sind.

Sie selbst bieten Unternehmen maßgeschneiderten psychologischen Trainings an. Was heißt das?

Meistens kommen Anfragen von Unternehmen, die besondere Arbeitsabläufe haben oder deren Mitarbeiter zum Beispiel unter speziellen Bedingungen arbeiten. Diese Firmen haben oft Schwierigkeiten, ein passendes Führungskräftetraining „von der Stange“ zu finden und wenden sich deshalb an mein Trainingsinstitut, das ein auf das Unternehmen und die Situation zugeschnittenes Programm entwirft.

Wie teilen Sie Ihr Wissen aus diesem Beruf mit den Studierenden?

Ich frage die Studenten, woher sie bestimmte Situationen, zum Beispiel Beurteilungsprozesse, aus ihrem Alltag kennen und gehe dann darauf ein, wie Führungskräfte diese Situationen und Probleme sehen beziehungsweise welche psychologischen Erkenntnisse es dazu ganz praktisch gibt.

Haben Sie dafür ein konkretes Beispiel?

Ja, erst kürzlich haben wir mit den Studierenden ein Experiment durchgeführt. Es ging dabei um Beeinflussungstechniken, das heißt um die Frage „Wie kann ich Menschen dazu bringen, dass sie etwas tun, das ich gerne von ihnen möchte?“.

Und wie macht man das?

Die Studierenden haben Passanten angesprochen und sie mit Hilfe der Foot-in-the-door-Technik dazu aufgefordert, ihnen ihre E-Mail Adressen zu geben. Sie haben die Passanten zunächst um einen kleinen Gefallen gebeten, zum Beispiel stehen zu bleiben, ein positives Urteil zur EMS Charity League abzugeben, und anschließend gesagt, was sie wirklich von ihnen wollen, nämlich die E-Mail-Adresse.

Das hat funktioniert?

Ja! Menschen möchten konsistent erscheinen und da sie zu dem kleinen Gefallen bereits „ja“ gesagt hatten, konnten die meisten die Bitte nach der E-Mail Adresse, dem großen Gefallen, nicht abschlagen.

Dr. Lutz Lyding

Dr. Lutz Lyding

Zur Person:
Dr. Lutz Lyding lehrt Wirtschaftspsychologie in den Studiengängen International Culture and Management und General Management an der EMS. Seit acht Jahren führt er das Trainingsinstitut LydingTraining® und konzipiert maßgeschneiderte psychologische Trainings für Führungskräfte und Mitarbeiter verschiedener Unternehmen. Zusätzlich ist er bei der Lufthansa zuständig für die Führungskräfte-Entwicklung im Kabinenbereich.
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