Dr. Lutz Lyding, Dozent für Wirtschaftspsychologie an der European Management School (EMS), erklärt in einem SWR-Radiointerview, warum die Angst vor TTIP in Deutschland größer ist als in anderen Ländern. Lesen Sie die Zusammenfassung hier.

Quelle: aurielaki/shutterstock

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Das Freihandelsabkommen TTIP zwischen den USA und der europäischen Union ist umstritten. Doch nirgends ist die Angst so groß wie in Deutschland. Die Deutschen haben Angst vor Chlorhühnchen, sehen die Lebensmittelstandards gefährdet und sogar die deutsche Kulturlandschaft bedroht. SWR-Reporter Marc Koch hat Dr. Lutz Lyding nach den Gründen gefragt.

Angst ist irrational

„Angst ist per se eigentlich etwas irrationales“, sagt Dr. Lutz Lyding, „Da steht das reale Risiko auch in keinem Verhältnis zu dem, was die Angst dann sagt. Dann sind solche Sachen wie, dass ich das nicht ganz verstehe oder da ein Kontrollverlust ist, dass da auf einmal andere Länder mit beeinflussen, was bei mir im Regal ist. Wenn Die Kontrolle uns weggenommen wird, ist das ein Grund, wo viele Menschen Angst entwickeln.“

Laut Dr. Lyding wird Angst vor allem stärker, wenn man „kognitiv vermeidend“ mit dieser umgeht. Das heißt, dass man der Angst bewusst ausweicht und Situationen vermeidet, die diese Angst wieder auffrischen könnten. Man wendet sich also bewusst ab und hat keine Lust sich mit solchen Themen zu beschäftigen. Wenn das Thema dann aber, z.B. TTIP, in den Medien kommt, dann kommt die irrationale Angst wieder zum Vorschein.

Ist Angst typisch deutsch?

Doch in anderen europäischen Ländern ist die Angst vor TTIP nicht so groß wie in Deutschland. Ganz im Gegenteil, viele sind sogar dafür. Ist Angst typisch Deutsch, also die ‚German Angst‘?

„Der Stil, wie man mit Angst umgeht hat viel mit Persönlichkeit zu tun. Und wenn man Persönlichkeit durch die Deutschen ersetzt, oder durch die Amerikaner, dann kann da schon wieder ein Schuh daraus werden. Vielleicht in der Form, dass man sagt, vielleicht sind wir eben vom Stil her eher vermeidend. Vielleicht gehen wir Deutschen eher kognitiv vermeidend mit Angst um, als vigilant“, sagt Dr. Lyding, „Vigilant heißt, ich wende mich der Angst hin, ich beschäftige mich damit, ich lese alles, was ich dazu lesen kann, und baue dadurch die Angst ab.“

Nicht-Verstehen bedeutet Angst

Für Dr. Lyding ist die Angst vor TTIP auch durchaus mit einem Changeprozess in Unternehmen vergleichbar. „Wenn in Unternehmen Veränderungsprozesse stattfinden, dann weiß man auch, dass Angst zunimmt, wenn es intransparent ist“, sagt Dr. Lyding, „da hat Nicht-Verstehen auch mit Angstanstieg zu tun“. Auf TTIP übertragen heißt das: „Die Akzeptanz bei TTIP müsste dann höher sein, wenn man gut informiert ist, wenn man teilhaben kann, wenn man beeinflussen kann, wie das genau ausgestaltet ist. Und das sind vielleicht viele Faktoren, die da gerade nicht gehen oder nicht da sind.“

Dr. Lutz Lyding

Dr. Lutz Lyding

Zur Person:Dr. phil. Lutz Lyding lehrt Wirtschaftspsychologie in den Studiengängen International Culture and Management und General Management an der EMS. Zudem führt er das Trainingsinstitut LydingTraining® und konzipiert maßgeschneiderte psychologische Trainings für Führungskräfte und Mitarbeiter verschiedener Unternehmen. Sein Institut berät seit 2004 Organisationen, Einzelpersonen und Teams in den Bereichen Personalentwicklung und Persönlichkeitskompetenz. Außerdem ist Dr. Lyding Supervisor DGSv* mit eigener Praxis und bietet fortlaufende Einzel-, Gruppen- und Teamsupervisionen zur Reflexion des beruflichen Tuns an!

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