Taking your dog for a walk - Taiwanese Style

Taking your dog for a walk – Taiwanese Style

 

Nihao, bonjour und hola aus Taipei. Zwar fängt diese Woche endlich mein chinesisch Kurs an, aber trotzdem werde ich das Gefühl nicht los, dass sich aufgrund der vielen Austauschstudenten hier meine spanischen und französischen Sprachkenntnisse im gleichen Maße ausbauen werde, während sich mein amerikanischer Akzent aufgrund internationaler Freundschaften in Richtung italienisch/norwegisch bewegt. Zumindest hoffe ich, dass mein Mandarin bald gut genug ist, um mein Essen irgendwann ohne Zeichnungen von Gemüsesorten und Nachahmen von Tierlauten bestellen zu können.
Trotzdem zunächst noch mehr erste Eindrücke, in die Sprache will ich mich erst mal einfinden bevor es dazu Berichte gibt.

Convenience Stores:

Eine Art größerer Kiosk/kleiner Supermarkt. Der wohl bekannteste: 7-11. Hier gibt’s alles! Snacks (wie Sandwiches, Sushi, Chips, in Tee gekochte Eier,…) kühle Getränke, Zahnbürsten, Sonnencreme, Spielzeug, einen Drucker und einen Geldautomaten.

Rainy Taipei at night

Rainy Taipei at night

Das ungewöhnlichste allerdings ist wohl der Fakt, dass man hier Rechnungen jeglicher Art bezahlen kann. Die Stromrechnung unseres Apartments? 7-11! Die online gebuchten Flug oder Bahn Tickets? 7-11! Sogar Strafzettel für Falschparken und andere Vergehen. Alles geht bei 7-11! Und das 24-7. Aufgrund ihrer hohen Dichte im Stadtgebiet bieten sich Convenience Stores auch perfekt dazu an, sich ein, vor allem für den deutschen Geschmack etwas fades, Taiwan Beer für den Weg zwischen Bahn und Club zu gönnen. Bei Bedarf zahlt man dann gleich noch den Strafzettel wegen nächtlicher Ruhestörung von der WG-Einweihungsfeier am letzten Freitag….und das alles um Mitternacht.

Verkehr in Taipei und die MRT:

Zu meiner Überraschung ist der Verkehr in Taipei erstaunlich entspannt. Natürlich bleibt das obligatorische, asiatische Motorroller Chaos nicht aus, allerdings grenzt eine Straßenüberquerung hier trotzdem nicht an einen Selbstmordversuch wie zum Beispiel in Indien. Eigenhändig ein motorisiertes Fahrzeug durch diese Großstadt zu lenken wäre mir allerdings noch etwas zu heikel.

How to order food in Taiwan

How to order food in Taiwan

Die öffentlichen Verkehrsmittel sind dafür hervorragend! Gleich nach meiner Ankunft habe ich mir die sogenannte Easy Card zugelegt. Eine beliebig oft aufladbare Chipkarte mit der man beim Eintritt und Austritt aus der Bahnstation bzw. Bus ein-/auscheckt und der Betrag automatisch abgebucht wird. Aufladen kann man sie an jeder MRT Station oder auch, wer hätte das gedacht, im 7-11. Wer schonmal in London war, kennt das System von der „Oyster Card“. Ebenfalls kann man sie auch als Zahlungsmittel in Convenience Stores benutzen. Vor allem mit Studentenrabatt sind die Preise hier unglaublich günstig. Per Bahn durch die halbe Stadt kostet ca. 50ct. und der Bus zur Uni sogar noch weniger. Überfüllte Bahn-Szenarien, wie man es aus Dokus über Tokyo kennt, finden sich hier glücklicherweise nicht, zumal man notfalls einfach auf die nächste wartet. 5min Wartezeit ist schon sehr lange für Taipei. Wie das mit den Busfahrplänen funktioniert ist mir noch ein Rätsel. Allerdings scheint es so als gäb es nur regulierte Frequenzen aber keine festen Abfahrtzeiten. Oft kommt aber auch der Bus alle 10 Minuten was sich noch ertragen lässt. Das einzige Problem der öffentlichen Verkehrsmittel hier ist, dass ab Mitternacht alles still steht. Die Taxipreise in Taiwan sind jedoch so niedrig, dass man sich die 2€ mitten in der Nacht dann trotzdem noch gönnen kann, um bequem nach Hause zu kommen. Übermüdete Taxifahrer gibt es hier leider oft, sie schlafen meist nur an den Ampeln ein und lassen sich durch ein lautes Räuspern leicht wieder aufwecken.

Regeln und Verbote in der MRT:

Es ist ja weltweit bekannt, dass die Deutschen als sehr sicherheitsbedachtes und regelkonformes Volk gelten. Die Taiwanesen setzen hier aber noch einen drauf und die öffentlichen Verkehrsmittel sind das perfekte Beispiel dafür. Zunächst einmal fällt auf, dass alle Bahngleisen durch eine Glaswand vom Bahnsteig abgetrennt sind, welche ihre Türen synchron mit der frisch

No birds please!

No birds please!

angekommenen U-Bahn öffnet. Man sollte meinen das wäre zur Prävention von Unfällen beim Gedränge wartender Fahrgäste…was allerdings in keinster Weise nachvollziehbar ist, da Taiwanesen stets in einer perfekten 2er-Schlange anstehen, die sogar mithilfe von weißen Linien auf dem Boden vorgegeben ist. Hier nochmal Entschuldigung fürs Vordrängeln, das System ist mir erst nach einer guten Woche aufgefallen. Desweiteren gibt es (nicht nur in Bus und Bahn) die absurdesten Verbotsschilder. Packt man also seine Wasserflasche in der Bahn aus, macht man sich schon strafbar. Essen und Trinken (ebenfalls durch eine Linie am Boden vor dem U-Bahn Eingang der Station gekennzeichnet) ist hier nämlich untersagt! Auch ambitionierte Kaugummikauer werden hier mit ächtenden Blicken der anderen Fahrgäste gestraft. Betelnuss kauen wird auch unter den Verboten aufgezählt, ist für Europäer allerdings keine große Tragik. Mein Favorit ist hier ganz klar das „No Birds“ Schild. Wer also gerne mit seinem Kakadu Taiwan bereisen möchte, muss hier auf einen Mietwagen ausweichen. Zur Frage steht aber immer noch, was sagt der Busfahrer wenn ich mit meinem hauseigenen Nilpferd einsteigen möchte? Die Taiwanesen lösen ihren Haustiertransport aber ganz klassisch mit dem Motorroller. Ob Hund oder Katze wird hier alles im Fußbereich der kreischenden Zweitakter umher kutschiert…auch für die Verfrachtung des menschlichen Nachwuchs ist dieser Platz sehr beliebt.
Wenn es aber um handwerkliche Genauigkeit oder den deutschen Ordnungsfimmel geht, zieht man Taiwan besser nicht zum Vergleich.

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