Gute Geschäftsidee + eigenes Unternehmen = Erfolg und Geld – so einfach stellen sich viele Unternehmensgründer ihren persönlichen Weg zu Erfolg und Reichtum vor. Doch eine gute Geschäftsidee ist nur eine von vielen Komponenten, die es für ein erfolgreiches Unternehmen braucht. Tilman Au, Geschäftsführer und Gründer des IT-Dienstleisters NIDAG und Vorsitzender des Startup Netzwerk Mainz e.V., hat dem Mainzer Manager verraten, was ein erfolgreicher Unternehmensgründer mitbringen sollte.

Quelle: StartupStockPhotos / pixabay.com

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Nach dem Hochschulabschluss stellt sich für nahezu jeden Absolventen die Frage. „Wie schaffe ich den Berufseinstieg?“ Wege gibt es viele: Ein Praktikum, ein Traineeship oder der Direkteinstieg in eine Juniorposition sind nur einige Möglichkeiten. Wer aber Mut und eine gute Geschäftsidee hat, kann auch selbst ein Start-up gründen und sein eigener Chef werden.

Tilman Au hat sich für diesen Weg entschieden. 1998 gründete er direkt nach seinem Studium mit den drei Mitgründern Alexander Born, Mathias Reinhardt und Christian Voigt den IT-Dienstleister „New Identity Agency“. Heute heißt das Unternehmen NIDAG und hat seinen Sitz in Mainz. 90 Mitarbeiter zählt die Firma mittlerweile. „Eine bewusste, aktive Entscheidung zur Unternehmensgründung war bei uns so nicht vorhanden, vielmehr sind wir dort hinein gerutscht“, sagt Tilman Au zur Gründung der NIDAG. Schon während seines Studiums setzte Au kleinere freiberufliche IT-Projekte um und konnte so schon in die Selbstständigkeit hineinschnuppern. „Ich kann jedem, der ein Unternehmen gründen möchte, nur empfehlen schon während des Studiums freiberuflich zu arbeiten. So kann man im Kleinen ausprobieren, was man später im Großen machen möchte“, rät Au zukünftigen Unternehmensgründern.

Unternehmensgründung ist ein Risiko und muss gut überlegt sein

Laut dem Statistischen Bundesamt wurden im Zeitraum von Januar bis September 2013 allein 186.000 Kleinunternehmen gegründet. Aber nur die wenigsten schaffen es daraus ein erfolgreiches Unternehmen zu machen. Die Entscheidung zur Unternehmensgründung ist ein Risiko und muss überlegt sein. „Es ist etwas komplett anderes, ob sie als Dienstleister direkt vor dem Kunden stehen und sie selbst von diesem Auftrag abhängig sind oder ob sie dort als Angestellter stehen. Viele unterschätzen dieses Risiko und den Druck“, betont Au. Genau an diesem Druck scheitern viele Start-ups. Der Gründer ist selbst verantwortlich für sein Gehalt und jeder Misserfolg hat direkte Auswirkung auf die eigene Existenz. Neugründer müssen vor allem dazu bereit sein Verantwortung zu übernehmen. „Für Zweifler und Grübler ist eine Unternehmensgründung nichts“, sagt Tilman Au.

Gründer brauchen Leidenschaft, Leidensfähigkeit und einen langen Atem

Eine gute Geschäftsidee ist zwar die Basis einer jeden Unternehmensgründung, aber neben Einfallsreichtum braucht es noch andere Eigenschaften. „Ein Gründer sollte vor allem Leidenschaft und Leidensfähigkeit mitbringen. Gerade am Anfang sind Freizeit und Urlaub stark reduziert und sie arbeiten nahezu 80 Stunden pro Woche“, sagt Au. Ein Urlaubskonto oder gar eine Stechuhr gibt es für einen Gründer nicht. Wer also viel wert auf Urlaub und geregelte Arbeitszeiten legt, sollte von einem Start-up absehen.

„Als Gründer nimmt man seine Firma auch mit ins Privatleben. Aus meiner Erfahrung ist es besser ein Unternehmen in einer Phase zu gründen, in der man noch nicht familiär gebunden ist“

, rät Au.

Gerade zu Beginn ist viel Geduld notwendig bis sich die ersten Geschäftserfolge einstellen. „Die größte Herausforderung ist der Kundengewinn. Anfangs muss man dazu viel Zeit investieren und einen langen Atem haben“, betont Au. Nur mit einer guten Idee kommen nicht automatisch die Kunden. Hier braucht es viel Überzeugungskraft. Schließlich besteht die Herausforderung darin, potentielle Kunden zu überzeugen, einem Start-up mit nur wenig Erfahrung am Markt zu vertrauen. Von anfänglichen Misserfolgen darf sich ein Gründer daher nicht entmutigen lassen. „Selbstmotivation ist eine weitere wichtige Eigenschaft. Denn jeden Tag kommen kleine Rückschläge und nur wer positiv denkt kann am Ball bleiben“, sagt Au.

In kleinen Schritten zum Erfolg

Wer bereit ist das Risiko einer Unternehmensgründung auf sich zu nehmen und viel Engagement zeigt, wird mit Unabhängigkeit und einer einzigartigen Möglichkeit zur Selbstverwirklichung belohnt. „Wenn sie Gas geben, bekommen sie auch viel positives Feedback und der Erfolg stellt sich Stück für Stück ein. Das motiviert und es ist ein großartiges Gefühl, wenn sich die harte Arbeit endlich auszahlt“, so Au. Oft machen Neugründer den Fehler zu hohe Erwartungen an sich selbst zu stellen und Ziele zu hoch zu setzen. Werden diese dann nicht schnell genug erreicht führt das zu Demotivation. Au rät daher zu einer Politik der kleinen Schritte: „Nehmen sie sich nicht zu viel vor! Definieren sie drei kleine Ziele und bauen sie darauf weiter auf. Es sind die kleinen Erfolge, die motivieren weiterzumachen.“

Ein Feind des Gründers kann Selbstüberschätzung sein. „Es ist der größte Fehler sich auf seinen Erfolgen auszuruhen und zu denken alles läuft von selbst. Springt dann der wichtigste Kunde ab, kommt das böse erwachen“, warnt Au vor zu viel Selbstgefälligkeit. Vor allem in Erfolgsphasen muss ein Gründer weiter hart arbeiten und seine eigenen Schwächen und sein Unternehmen verbessern, um Misserfolgen vorzubeugen.

Große Abhängigkeit von Investoren vermeiden

Doch eine Unternehmensgründung braucht Kapital und stellt ein finanzielles Risiko dar. Viele Gründer spekulieren auf die Hilfe von Investoren und Banken, aber hierin sieht Au nur geringe Chancen: „Für echte Gründer ist nur wenig Kapital am Markt. Gründer ohne Erfahrung stellen für Investoren meist ein zu großes Risiko dar.“ Daher rät Au mit kleinerem Eigenkapital zu arbeiten, Geduld zu haben und sich über Erfolge zu profilieren. Hat man dann vorzeigbare Erfolge in der Tasche, werden auch Investoren und Banken aufmerksam. Generell sollten sich Neugründer nicht zu abhängig von Investoren machen, meint Au. Denn die Suche nach potenten Geldgebern ist meist sehr langwierig und aufreibend. Auch versuchen Investoren stark am Businessplan mitzureden, was zu Demotivation führen kann. Allerdings darf ein Gründer auch nicht zu sparsam sein und muss den Mut zu Investitionen haben – doch auch hier ist Sorgfalt gefragt. Daher rät Au: „Startkapital ist sehr wichtig, aber die Investitionen müssen gut überlegt sein. Anfangs lohnt sich meistens die Investition in professionelle Beratung, zum Beispiel in einen Rechts- oder Steuerberater, da man so meist kostspielige Fehler vermeiden kann.“ Fehler, die Tilman Au, wie er erzählt, selbst schon gemacht hat:

„Anfangs hatten wir viele Probleme mit dem juristischen Set-up, also Rechtsform, Satzung, Steuerrecht. Das hat uns einiges Geld gekostet, aber solche Fehler sind glücklicherweise revidierbar.“

Mut, Leidenschaft, Geduld und Ausdauer sowie die Fähigkeit zur Selbstmotivation sind Grundeigenschaften eines Unternehmensgründers. Wenn dann noch die Geschäftsidee gut ist, ist die Basis für den kommenden Erfolg gelegt. Erfolgreiche Gründer werden mit Unabhängigkeit, Selbstentfaltung und der Möglichkeit selbst über Arbeitszeiten und Gehalt bestimmen zu können belohnt. Doch dafür muss der Unternehmensgründer auch viel Verantwortung und Risiko tragen. Ein Start-up sollte gut überlegt und geplant sein – damit die Idee nicht gleich wieder im Papierkorb landet.

Von Simon Wächter

Lesetipp:

Firma.de Gründer Michael Silberberger berichtet hier warum es noch nie so einfach war, ein Unternehmen zu gründen.

Dieser Artikel hat 3 Kommenatre

  1. Natürlich geht man mit der Unternehmensgründung immer ein Risiko ein. Immerhin ist nicht gewiss ob Gelder pünktlich kommen, ob es überhaupt richtig ins Rollen kommt…. Ein guter Tipp ist daher die Unternehmensgründung anfangs als 2. Standbein aufzubauen. So hat man dennoch seine festen Einnahmen. Weiterhin ist wichtig, sich vorab richtig zu informieren. Es gibt noch genügend Wege Gelder zu sparen. Interessante Informationen finden sich überall im Internet. Die gruendungskanzlei.eu hat auch viele Informationen dazu zusammengestellt.

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