Traineeship oder gleich ein Direkteinstieg? Traineeprogramme bieten im Vergleich zum Direkteinstieg einige Vorteile aber auch Nachteile. Doch für wen ist ein Traineeship am besten geeignet und wer sollte lieber direkt ins Unternehmen einsteigen? Wir haben einige Argumente gesammelt.

Quelle: Unsplash / pixabay.com

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Besseres Praktikum und unterbezahlter Vollzeitjob – Vorwürfe, die gerne in Zusammenhang mit einer Traineestelle gebraucht werden. Mittlerweile bieten viele Unternehmen fundierte und durchdachte Traineeprogramme, die den Absolventen als Karrieresprungbrett ins Management dienen sollen. Doch es gibt auch unseriöse Angebote, daher ist es für Absolventen umso wichtiger die Inhalte eines solchen Programms genau zu prüfen.

Traineeship vs. Direkteinstieg

Stellt sich zuerst die Frage, was ein Traineeship von einem Direkteinstieg unterscheidet. „Ein Traineeprogramm ermöglicht den Absolventen Unternehmensprozesse von der Pieke auf kennen zu lernen, d.h. sie starten mit absoluten Grundlagen und bauen darauf Schritt für Schritt ihre Kompetenzen auf“, sagt Yasemin Ahmed Bouya, Talent Acquisition Specialist beim Autovermieter Enterprise Rent-A-Car. Heißt: Die Absolventen werden behutsam auf ihre spätere Arbeit in verantwortungsvoller Position vorbereitet. Ein solches Programm dauert normalerweise sechs bis 24 Monate. In dieser Zeit durchlaufen die Absolventen mehrere Abteilungen. Die Trainees erhalten so umfassende Einblicke in die Unternehmensstruktur und dabei sind Leistungsanforderungen sowie Verantwortung oft noch nicht besonders hoch.

Bei einem Direkteinstieg hingegen steigt ein Absolvent meist mit einem festen Arbeitsvertrag unmittelbar in das Tagesgeschäft ein. „Den Direkteinstieg kann man mit einem Sprung ins kalte Wasser vergleichen“, sagt Ahmed Bouya. Der Direkteinsteiger trägt oft von Anfang Verantwortung, was auch mit einer höheren Vergütung belohnt wird. Der Absolvent lernt dabei nur eine Abteilung intensiv kennen. Daher ist der Direkteinsteiger meist besser geschult, aber im Gegensatz zum Trainee lernt er weniger umfassend das gesamte Unternehmen kennen.

Vom Traineeship zum Germany Vice-President

Vom Traineeship zum Germany Vice-President

Für Absolventen, die schon ein klares Karriereziel vor Augen haben, ist ein Direkteinstieg mit höherem Gehalt und einer verantwortungsvollen Tätigkeit eher geeignet. Ein Traineeprogramm bietet dagegen eine fundierte und praxisorientierte Ausbildung mit strukturierter Förderung und Weiterbildung. Zudem können die Absolventen herausfinden, welcher Unternehmensbereich am besten zu ihnen passt. Auch ist ein solches Programm oft der Eintritt in eine Management-Position. „Selbst unser Germany Vice President Peter Dulac hat vor einigen Jahren als Management Trainee bei Enterprise Rent-A-Car angefangen“, so Ahmed Bouya.

Große Qualitätsunterschiede bei Traineeprogrammen

Doch damit das Traineeship auch zum erhofften Karrieresprungbrett wird, gibt es einiges zu beachten. Traineeprogramme sind in Deutschland rechtlich nicht klar definiert und die Unternehmen legen somit selbst Inhalte, Dauer und Vergütung fest. Daher sollten Bewerber die Programme kritisch prüfen, denn die Qualitätsunterschiede können groß sein.

Generell gilt: Programme, die weniger als zwölf oder mehr als 24 Monate laufen, gleichen womöglich schlecht bezahlten Aushilfsstellen. Zudem sollte für den Trainee ein fester Ansprechpartner oder Mentor vorhanden sein.

„Ein gutes Traineeprogramm sollte das Ziel ‚Train for the future‘ vor Augen haben. Es sollte eine klare Struktur aufweisen und trotzdem genügend Raum für persönliche Entwicklung lassen“

, sagt Ahmed Bouya. Auch vielfältige persönliche und fachliche Weiterbildungsmaßnahmen sind ein Qualitätsmerkmal. Zudem sollten auch die Perspektiven für die Zeit nach dem Programm frühzeitig geklärt werden, ideal ist hier natürlich eine Übernahmegarantie. Einer Studie der Haniel-Stiftung zufolge werden 93 Prozent der Trainees übernommen. Schließlich investieren die Unternehmen bei einem fundierten Traineeprogramm auch viel Geld in deren Ausbildung.

Starke Schwankungen bei Traineegehältern

So sehr sich die Programme inhaltlich unterscheiden, variiert auch das Gehalt. Laut Trainee-Geflüster.de, einem Portal der Jobbörse Absolventa, reicht die Spanne von 12.000 bis 60.000 Euro Jahresgehalt. 12.000 Euro sind gerade mal ein besseres Praktikantengehalt und genauso sind 60.000 Euro eher die Ausnahme. Viele Unterschiede in den Traineegehältern[/caption]Durchschnittlich verdienen Trainees mit einem wirtschaftswissenschaftlichen Studium 37.500 Euro jährlich, wohingegen Geisteswissenschaftlicher nur 28.200 Euro erhalten. Unterschiede gibt es auch bei der Unternehmensgröße. In kleinen Unternehmen verdienen Trainees im Schnitt 32.000 Euro im Jahr, dagegen bei großen Konzernen durchschnittlich 43.000 Euro.

Wer also mehrere Unternehmensbereiche kennenlernen möchte und eine praxisorientierte Ausbildung sucht, für den ist ein Traineeprogramm genau das Richtige. Aber bei der Auswahl des passenden Programms sollten etliche Aspekte beachtet werden. Die inhaltlichen und auch finanziellen Unterschiede sind teilweise erheblich. Daher sollten Bewerber auf die oben genannten Qualitätsmerkmale achten, damit sie nicht nur unterbezahlte Aushilfskräfte sind, sondern als Nachwuchskräfte gefördert werden.

Von Simon Wächter

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