Auslandssemester ShanghaiRiesenreich China. 1,4 Mio. Menschen. Nach zwei Jahren wirtschaftswissenschaftlichem Studiums inklusive Lernen der chinesischen Sprache, halte ich mich vier Monate zwecks Absolvieren meines Auslandssemesters in Shanghai, der mit über 20 Millionen Einwohnern größten Stadt Chinas, auf. Nach fast der Hälfte der Zeit kann ich bereits ein vorzeitiges Fazit zum Studentenleben und Leben außerhalb des Vorlesungsraums ziehen.

Die ersten Tage

Schon nach der Ankunft am Flughafen und der Fahrt ins Stadtzentrum mit der U-Bahn und dem schnellsten Hochgeschwindigkeitszug, bin ich wie schon ein Jahr zuvor bei meinem ersten Aufenthalt in Shanghai – überwältigt von den dortigen Dimensionen. Voll bepackt kämpfe ich mich durch eine Menschenmenge, deren Größe einen staunen lässt, in die Metro und auf dem Weg zu meiner ersten, via Airbnb gebuchten, Bleibe.

Eine Woche später startete für mich, wie für alle anderen ausländischen Studenten der Shanghai International Studies University, die oralen und schriftlichen Einstufungstests der Chinesischkenntnisse, die meinen Chinesischkurs für die nächsten 18 Wochen determinieren. Neben dem täglichen dreistündigen Chinesischunterricht belegte ich die Kurse „Income Tax“ und „Customer Care“ – welche wöchentlich jedoch nur jeweils drei Stunden stattfinden. Auf freiwilliger Basis kann sogar an Kursen wie „Taiji-Boxen“, „Kalligrafie“ oder „Chinese Culture“ partizipiert werden. Im Gegensatz zu vermutlich allen Kommilitonen der Mainzer European Management School wird somit mein Fokus für das Auslandssemester deutlich auf dem Sprachunterricht liegen.

Die Sprache als Zentrum des Alltags

Pandas in Shanghai
Nach sieben Wochen und drei Umzügen, bin ich um viele Erkenntnisse reicher und nach einigen Umstellungen stellen sich die ersten Routinen ein. Statt dem anfänglichen Bestellen meines Mittagessens mit Händen und Füßen, höre ich mich mittlerweile in fast schon akzeptablem Chinesisch Gerichte und Beilagen bestellen. Auch das spontane Ansprechen diverser Passanten um beispielsweise den Weg zur nächsten Metrostation zu erfragen (und deren Beschreibung auch zu verstehen) läuft immer problemloser. Die täglichen Unterrichtseinheiten machen sich zu meiner Erleichterung mehr und mehr bemerkbar. Da ich mir für meine Zeit in China in Bezug auf die Sprache sehr hohe Ansprüche gesteckt habe, machte ich mich auf die Suche nach einem Sprachpartner um die gelernten Inhalte noch einmal zu vertiefen. Und so kam es, dass ich mich nun zweimal in der Woche mit einer gleichaltrigen Chinesin treffe, die mir hilft einem roten Faden im Umgang mit Schriftzeichen, Tönen und Grammatik zu folgen. Im Gegenzug bringe ich ihr die deutsche Sprache näher.

Freizeitgestaltung

Neben dem Chinesischkurs vormittags belege ich noch zwei Businesskurse, die allerdings nur jeweils drei Stunden in meinem wöchentlichen Vorlesungskalender ausmachen. Die täglichen fünf Stunden Unterricht lassen mir ausreichend Zeit um in das Flair dieser schillernden, vielfältigen Megacity, die unglaublich viel zu bieten hat, einzutauchen, sowie der Kultur und den Menschen näher zu kommen. Sei es das abendliche Schlendern vor der weltberühmten Shanghaier Skyline, das gemeinsame Zubereiten und Essen chinesischer Köstlichkeiten mit Menschen aus aller Welt oder das Eintauchen in die Jahrtausende alte Geschichte des Landes beim Besichtigen historischer Stätten wie Gärten, Teehäuser oder Tempel, kein Tag gleicht dem anderen. Auch nach knapp zwei Monaten lerne ich täglich neue Menschen, Orte und Wissen über dieses Land kennen.
Tempel in Shanghai

Fazit

Alles in allem habe ich mich mittlerweile mit den meisten kulturell geprägten Unterschieden angefreundet und kann mir momentan, wie schon vor Antritt der Reise, keinen besseren Ort zum Absolvieren meines Auslandssemesters vorstellen. Vergleiche mit dem Studieren in Deutschland lassen sich schwer machen. Es gibt kein besser oder schlechter, es ist einfach anders.
Uni in Shanghai
Für mich als Interessent des asiatischen Raumes, für den Fortschritte in der chinesischen Sprache die in der englischen übersteigen, gibt es keinen Zweifel mehr ob meine Wahl die richtige war. Die Entscheidung in einer für deutsche Studenten noch recht ungewöhnlichen Destination ein Semester zu absolvieren, hat mir schon jetzt Herausforderungen beschert, die für bleibende Erinnerungen sorgen werden. Wer ähnliche Motivationen verfolgt wie ich, ein unvergessliches Abenteuer sucht und Neugier unter Recruitern beim nächsten Vorstellungsgespräch wecken möchte, sollte meiner Meinung nach die Chance ergreifen und sich um einen Studienplatz in der einzigartigen Metropole Shanghai bemühen. Für Studenten, die noch über keine chinesischen Sprachkenntnisse verfügen könnten die ersten Wochen schwer werden, da man hier mit Englisch im alltäglichen Leben nicht überall weiter kommt. Grundsätzlich würde ich persönlich deshalb aber niemandem abraten hier zu studieren, da man alleine durch die verpflichtenden täglichen drei Stunden im Chinesischkurs sehr schnell auf ein Sprachniveau kommen kann, mit dem die grundlegendsten alltäglichen Situationen gemeistert werden können.

Jan Roller in Shanghai

Zur Person: Jan Roller studiert an der European Management School in Mainz International Culture and Management und absolviert gerade sein Auslandssemester in Shanghai.


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