„Dir kommt da dann bestimmt alles chinesisch vor“ war schon 3 Monate vor Abreise der Lieblingswitz meines Opas. Um dies immerhin ein klein wenig zu verhindern, beschloss ich während meines Studiums an der NCCU einen Teilzeit Chinesischkurs zu besuchen, dessen Credits von der EMS glücklicherweise anerkannt werden und mir daher nicht mehr Aufwand für das Studium bescherte. Auf Ratschlag der letztjährigen EMS / NCCU Austauschstudenten belegte ich den „conversation only“ Kurs. „Sei froh wenn du dich wenigstens ein bisschen in die Sprache einfindest, in 3Monaten Schriftzeichen lernen ist unmöglich“. Im folgenden also einige Lektionen die ich aus meinen2x3Stunden pro Woche mitnehmen konnte, sowie meine persönliche Ansicht der Tücken und Witze in der chinesischen Sprache:

14967453408_c0e5edce19_zDie meisten Verben können nie alleine stehen und wird deshalb immer mit Subjekten kombiniert. Ein einfaches Beispiel das ich bei meiner Besteigung des Xueshan durchgehend verwendete:
wandern = pa shan (wörtl. Übersetzung: besteigen Berg)
Da man aufgrund der gezwungenen Addition eines Subjekts nicht einfach nur sagen kann man möchte essen, benötigt man immer ein Gericht im Anschluss and das Verb chi (essen). Sollte man sich aber noch nicht im klaren über seine kulinarischen Vorzüge in 3Stunden sein, hängt man einfach „fan“ (Reis) hintendran. Das gilt dann im Allgemeinen für „etwas essen“ denn Reis gibt es ganz ohne Frage.

Es gibt kein allgemeines Ja oder Nein. Verrückt, ich weiß. Die ersten Wörter die man in einer Fremdsprache nach Hallo lernt, existieren somit nicht. Wird man beispielsweise gefragt ob man seine Hausaufgaben hat, so lautet die Antwort you/mei you (haben/nicht haben). Ebenso wird die Frage des Kellners nach Sojasoße im Essen mit yao/bu yao (wollen/nicht wollen) beantwortet.

Aus Sicht des Kellners ist eine Konversation für tägliche Anwender der deutschen Grammatik hingegen unerklärlich simpel. „La bu la?“ („Scharf nicht scharf“) ist die korrekte Übersetzung für „Hätten sie ihr Essen gerne scharf oder eher nicht so scharf?“. Hier holt man die verlorene Zeit für das fehlende, kurze Ja/Nein wieder auf.

Die Antwort hierrauf birgt allerdings wieder diverse Neuheiten. Vor einem Adjektiv kommt immer ein Wort, das dessen Stärke angibt. Offiziell gibt es davon 5, in der Jugendsprache finden aber auch Wörter wie „super“ ihre Verwendung. Während die Frage eigentlich nur nach ganz oder gar nicht fragt kann man mit folgendem Antworten:

  • Hen bu la (überhaupt nicht scharf)
  • Bu la (nicht scharf)
  • Ydien la (ein wenig scharf)
  • Hen la (sehr scharf)
  • Feichang la (extrem scharf)

Was in dieser Sicht als größerer Lernaufwand erscheint, reduziert das Vokabel lernen allerdings auf gut 50%. Zum Beispiel hab ich keine Ahnung was „kalt“ heißt, kann aber ganz einfach „bu re“ (nicht heiß) sagen.

Die Anzahl der zu lernenden Vokabeln erhöht sich in anderen Fällen leider wieder. Nur „lecker“ gibt es nicht. Man differenziert hier zwischen Speisen und Getränken:

  • Hen hao che (sehr gut essen)
  • Hen hao he (sehr gut trinken)

Antwortet man auf die Frage ob einem das Essen schmeckt denn mal nur mit „hen hao“ (sehr gut) stößt man meist auf Verständnislosigkeit des taiwanesischen Tischnachbar.

"Hen Hao Che" ... gegrillte Hühnerfüße auf dem Nachtmarkt in Kaoshiung

„Hen Hao Che“ … gegrillte Hühnerfüße auf dem Nachtmarkt in Kaoshiung

Die Aussprache ist das A und O! Obwohl dieser Fakt weitaus bekannt ist, erkennt man die Komplikationen trotzdem erst im taiwanesischen Alltag. Und das nicht nur weil witzige Verwechslungen wie Mama und Pferd entstehen, sondern oft sind die Bedeutungen zweier Wörter, die für das gemeine europäische Gehör identisch klingen, das genaue Gegenteil. Ob man etwas kaufen oder verkaufen will entscheidet sich einzig und allein durch die Betonung des A in „mai“. Ihr hättet das Gesicht der Verkäuferin in Taiwans National Brauerei sehen sollen als ich ihr Bier verkaufen wollte. Ebenfalls lustig wird es bei der Bestellung von einem taiwanesischen Nationalgericht, den Dumplings. „Wo yao shuei jao“ kann je nach Aussprache der letzten Silbe heißen „Ich wollen Dumpling“ oder „Ich wollen schlafen“. Nie kam es bei mir aber so weit, dass der Restaurantbesitzer ein Kissen statt gefüllter Teigbällchen servierte.

Fragwürdig bleibt, wer den Namen der NCCU in Cheng Chi University übersetzte. In den ersten Wochen ohne chinesisch Kurs war ich schockiert darüber, dass kein Mensch in Taipei meine Hochschule kannte. Später stellte sich heraus, sie heiß Zheng Da.

Mein Chinesisch Kurs auf den Spuren des taiwanesischen Lieblingsgebäcks; zu Besuch im Pineapple Cake Museum

Mein Chinesisch Kurs auf den Spuren des taiwanesischen Lieblingsgebäcks; zu Besuch im Pineapple Cake Museum

Nils Finger absolvierte sein Auslandssemester 2014/15 in Taiwan. In seinen Blogartikel berichtet er über seine Erfahrungen

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