Jörg-Michael Junginger, Senior Trainer und Mehrheitsgesellschafter bei MEDIA ADVICE, über Probleme von Managern vor der Kamera, die Regeln der Medienwelt und das Gegenmittel bei Blackout.

Herr Junginger, Manager und CEOs von großen Unternehmen stehen ständig in der Öffentlichkeit. Warum tun sich aber viele so schwer sobald eine Kamera läuft?

Quelle: Alexas_Fotos / pixabay.com

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Das Problem ist, dass viele Manager in ihrer Sach- und Fachwelt leben. Dort sind sie fachkundig, dadurch haben sie Karriere gemacht. Und wenn es öffentlich wird, geraten sie meist unvorbereitet in eine Medienwelt, die nahezu gegensätzlich ist. Journalisten und deren Publikum wollen vor allem unterhalten werden. Statt „Sachlichkeit“ zählt „Infotainment, zunehmend mehr noch allerdings „Entertainment“. Versucht also ein „sachlicher“ Manager mit einem „unterhaltsamen“ Journalisten ohne Perspektivwechsel zu kommunizieren, wird er kläglich scheitern. YouTube ist zur Erheiterung vieler voll mit derartigen Statements und Interviews. Für die Betreffenden ist das jedoch gar nicht lustig.

Was unterscheidet denn die Medienwelt von der Fachwelt?

Die Medienwelt ist oberflächlich, schnell und kurzlebig. Tendenz steigend. „Over newsed, but under informed“ sagen die Publizisten dazu. Die Fachwelt der Unternehmen hingegen ist kompliziert, komplex und dadurch langatmig. Wenn Sie jedoch nur 15 bis 20 Sekunden Zeit für ein Statement im Fernsehen haben, können Sie nicht alle Aspekte und Seiten einer Thematik betrachten. Alles entscheidend in der Medienwelt ist, dass Sie ihre Botschaft kennen und diese in den Köpfen der Zielgruppe haften bleibt. Hand aufs Herz! Ohne diesen Anspruch bräuchte ich ja gar nicht aufzutreten.

Und wie gelingt das?

Florian Pösse, Student der EMS, beim Interview

Florian Pösse, Student der EMS, beim Interview

Sie müssen ihre Kernaussage je nach Mediengattung (Presse, Funk, Fernsehen) verdichtet auf den Punkt bringen. Auch gegen Widerstände. Gestalten Sie Ihre Antworten wie Nachrichten. Strukturell wie eine Pyramide. Das Wichtigste nach vorne, weniger wichtiges nach hinten. Im ersten Satz müssen Sie Ihre Kernbotschaft, Ihre „Überschrift“ sozusagen, die in den Köpfen des Publikums hängen bleiben soll, nennen. Äußern Sie aber nur eine Botschaft pro Antwort. Formulieren Sie zudem so einfach wie möglich. Verzichten Sie wo immer möglich auf Fremdwörter, Anglizismen oder Fachbegriffe.

Sie haben die Widerstände angesprochen. Was kann ein Sprecher zum Beispiel gegen kritische Fragen von Journalisten tun?

Bleiben Sie unbedingt immer bei Ihrer Kernbotschaft und lassen Sie sich durch nichts davon abbringen! Ein Kniff ist es die Botschaft in unterschiedlicher Formulierung aus Sicht unterschiedlicher Zielgruppen zu wiederholen. Aber auch das müssen Sie vorab üben. Seien Sie sich stets im Klaren darüber, dass der Journalist ein anderes Gesprächsziel verfolgt als Sie. Sagen Sie zum Beispiel konkret, was eine Änderung in Ihrem Unternehmen für die Mitarbeiter und die Kunden bedeutet.

Doch was kann ein Sprecher machen, wenn er bei unangenehmen Fragen plötzlich ins Schwitzen gerät?

Medientraining an der European Management School

Medientraining an der European Management School

Wenn Sie von Ihrer Kernbotschaft überzeugt sind, haben Sie auch die non-verbale Kommunikation im Griff. Sie müssen im Einklang mit sich sein. Dann wird Ihre Stimme kräftig sein, Ihre Gestik das Gesagte unterstreichen und Ihr Körper Haltung zeigen.

Gibt es ein Gegenmittel gegen Lampenfieber und den gefürchteten Blackout?

Wer gut vorbereitet ist und seine Botschaft kennt, wird kein Lampenfieber haben. Allenfalls ein motivierend belebendes Vorstartkribbeln spüren. Und das ist gut so. Ein Blackout wird so minimiert. Wenn er dennoch einmal vorkommen sollte, ist das ist eine völlig normale menschliche Reaktion. In solchen Situationen dürfen Sie das auch ruhig sagen. Reden sie über die Situation, schaffen sie sich Verbündete. Geben Sie zu, dass Sie gerade auf dem Schlauch stehen und fragen Sie nochmals nach, wo der Faden verloren ging. Zeigen Sie sich menschlich. Dann wird Ihnen Ihr Publikum das gewiss nachsehen.

Herr Junginger, haben Sie abschließend noch einen Tipp für das richtige Auftreten in den Medien?

Das A & O ist üben, üben und nochmals üben! Trainieren Sie unbedingt Ihren Auftritt bevor Sie in die Öffentlichkeit treten. Medientraining zeigt auf, ob Inhalte und Vertreter gesprächsstabil sind. Gutes Training ist die Vorwegnahme der Wirklichkeit. Wer sich nur auf seine Eloquenz verlässt, hat schon verloren. Die Medien haben ihre eigenen Regeln und nur wenn Sie diese kennen, läuft das Gespräch auch gut. Und zwar in Ihrem Sinne.

Das Interview führte Simon Wächter

Jörg-Michael Jungender

Jörg-Michael Junginger, Quelle: jmj/media advice

Zur Person: Jörg-Michael Junginger ist Senior Trainer und Mehrheitsgesellschafter von MEDIA ADVICE mit Sitz in Mainz. MEDIA ADVICE ist eine der führenden Agenturen für Medientraining und Krisenkommunikation im deutschsprachigen Raum. Jörg-Michael Junginger berät seit mehr als 20 Jahren Führungskräfte und Unternehmenssprecher aus Großunternehmen und Mittelstand. Während dessen und zuvor war er 30 Jahre als Journalist bei Tageszeitungen, öffentlich-rechtlichen und privaten TV-Anstalten tätig. 2003 wurde er für den Deutschen Fernsehpreis in der Kategorie „Aktuelle Berichterstattung“ nominiert.

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