Wie sieht der Arbeitsinhalt eines Head of IDMP Program Managers aus? Welche persönlichen Empfehlungen hat sie für unsere Studenten? Wie ist es als Frau in einer männerdominierten Fachrichtung aufzutreten? Weiterhin gibt sie Tipps wie man als Redner oder Rednerin auf Konferenzen fußfassen kann. Diese und viele weitere Fragen beantwortet sie im Interview mit dem Mainzer Manager:Rosie Riveter

1. Was genau machen Sie in ihrem Job?

Ich strukturiere, plane und leite die IT Aktivitäten, um für unsere pharmazeutischen Produkte einen integrierte, global Reporting Lösung zu schaffen. Dies ist notwendig, um die komplexen, gesetzlichen Vorgaben zu erfüllen. Um dies zu ermöglichen, müssen die unterschiedlichsten Bereiche in unserer Firma eng zusammenarbeiten. Das fängt im Forschungsbereich an, geht weiter zur Entwicklung über die Medizinischen Untersuchungen hin zu den regulatorischen Prozessen und inkludiert den Produktionsbereich. Das ist eine sehr spannende Aufgabe, im Zuge deren ich mit vielen unterschiedlichen Menschen zusammenarbeite.

2. Das hört sich sehr abwechslungsreich an. Ist es das was den Job so besonders macht?

Was mich an dieser Aufgabe ganz besonders reizt, ist der Gestaltungsspielraum und die Möglichkeit etwas Neues zu entwickeln. Dieses geschieht in einem globalen Kontext und die Vernetzung und Kommunikation innerhalb der Firma, sowie mit den Behörden, Normungskommittees, Softwarelieferanten und anderen Pharmafirmen ist sehr wichtig und für mich sehr spannend.

3. Worin liegen aktuell die Herausforderungen und was sind aktuelle Themen die Ihren Funktionsbereich betreffen?

Die aktuellen Herausforderungen liegen in der Neuheit, Komplexität und Agilität dieses Themas das zeitgleich in gesetzlichen Regularien abgebildet wird. Das Thema ist sehr umfassend und zugleich sehr detailliert. Dies erfordert einen breiten Überblick über die pharmazeutischen Prozesse, Informationen und Systeme, sowie die Fähigkeit, umfassenden Gesetzestexte und ISO Standards zu lesen und zu kommentieren.

4. Wie wird sich das Thema IDMP in den nächsten Jahren Ihrer Meinung nach entwickeln?

Das Thema Identifikation of medicinal Products (IDMP) ist ein globaler Standard auf den sich alle großen Behörden wie die European Medicines Agency (EMA ist die Europäische Arzneimittel-Agentur) für Europa, die Food and Drug Administration (FDA ist eine amerikanische Behörde für Arzneimittelzulassung) für USA und die Japanische Behörde geeinigt haben. Dieser wird weltweit in mehreren Iterationen eingeführt. Das Thema betrifft alle pharmazeutischen Firmen und wird von daher weiter wachsen und die Standardisierung in diesem Bereich des Produkt-Masterdata-Managements vorantreiben.

5. Wie tritt man als Frau in einer so männerdominierten Fachrichtung auf?

In vielen Bereichen bin ich eine der wenigen Frauen, das begann im Studium der Elektrotechnik, wo von 300 Studenten in meinem Semester mit mir noch eine andere Frau studierte. Nachdem ich während des Studiums als Exotin erschien, hat sich dieser Eindruck im Laufe des ersten Semesters schnell zum kollegialen Miteinander verändert. Mich persönlich haben die naturwissenschaftlichen Fächer wie Mathematik und Physik im Studium immer sehr interessiert und das ist das, was am Ende des Tages für mich wichtig war und ist. Ich erlebe es aber nach wie vor, dass Frauen in Naturwissenschaftlichen Fächern, sowie in Führungspositionen selten sind und von daher erlebe ich dadurch eine verstärkte Aufmerksamkeit, sowie die Notwendigkeit, die eigene Fachkenntnis zu beweisen, was bei manchen männlichen Kollegen als gegeben angenommen wird. In der Regel werden die Arbeitsergebnisse jedoch anerkannt und dadurch erwirbt man sich auch in den höheren Führungspositionen den entsprechenden Respekt und das unabhängig vom Geschlecht, es mag etwas mehr Zeit in Anspruch nehmen. Natürlich erlebe ich es, dass mit zunehmender Hierarchiestufe die Anforderungen zunehmen bzw. anders werden. Hierbei ist es wichtig, sich schnell auf unterschiedliche Situationen einstellen zu können, und auch Antennen zu entwickeln für Stimmungen. Zunehmend wichtig wird es auch, Entscheidungen beeinflussen zu können. Hilfreich hierbei ist ein gewisses rhetorisches Geschick und die Fähigkeit, Begeisterung für Themen zu wecken.

6. Ab wann wird man als Speaker zu Reden beispielsweise im Ausland eingeladen?

Ich habe erlebt, dass es eine Rolle spielt, ob man ein interessantes Thema vertritt, welches für andere Firmen ebenfalls relevant ist. Zusätzlich habe ich ein Linked-In-Profil über das ich entsprechend vernetzt bin. Des Weiteren habe ich den Eindruck, dass die Konferenzanbieter sich bezüglich der Redner austauschen und sobald man gut auf einer Konferenz ein Thema vorgestellt hat, man für viele Nachfolgeveranstaltungen eingeladen wird.

7. Ist das Besuchen von Konferenzen und Messen im Bereich IT sehr wichtig für den Erfahrungsaustausch mit anderen Firmen? Oder welche Events bieten sich besonders gut dafür an?

Für mich ich ist der Besuch von Konferenzen im IT Bereich sehr wichtig, um Erfahrungen auszutauschen und den eigenen Blick zu erweitern. Einige Beispiele sind Konferenzen der Veranstalter „Informa Life Science“, „IQPC“ oder „Oxford Global“.

8. Haben Sie noch einen Tipp für unsere Studenten? Vielleicht eine Buchempfehlung?

Für mich ist nach wie vor Neugierde und der Wissenshunger ein sehr starker Antreiber. Wie funktionieren die Dinge, welche neuen Methoden gibt es, was hat sich bewährt, welche Erfahrungen haben andere gesammelt. Das Studium ist mit Sicherheit ein sehr guter Start, jedoch keinesfalls das Ende des Lernens, sondern vielmehr ermöglicht es jeden Einzelnen sich neue Themen zu erarbeiten um daraus neue Lösungen zu entwickeln. Nach wie vor ist der Wille, Neues zu entwickeln oder Dinge besser zu machen einer der stärksten Antreiber der uns weiter bringt. Wenn man im globalen Umfeld arbeiten möchte, sind die englischen Sprachkenntnisse sehr wichtig, die angelsächsischen Managementtechniken. Empfehlen kann ich auch Assessments zum Persönlichkeitsprofil, um die eigenen Stärken und Schwächen besser kennenzulernen. Ein Beispiel dazu findet sich auf der folgenden Homepage von Korn Ferry.

Vielen Dank für das aufschlussreiche Interview und die interessanten Einblicke in Ihren Arbeitsalltag!

Zur Person:
Susanne KochSusanne Koch begann zunächst mit Ihrem Diplom Studium der Elektrotechnik an der University of Applied Sciences in Wiesbaden. Danach sammelte Sie 3 Jahre Erfahrung als Software Entwickler für ein Customer Relationship Management System bei der Firma Bioscientia. Anschließend wechselte Sie zum Handelsunternehmen Tengelmann in die Position des Projektleiters für ein Supply Chain Management System. Im Jahr 2002 wechselte Sie zu dem globalen Pharmaunternehmen Boehringer Ingelheim. Dort absolvierte Sie berufsbegleitend den MBA an der University of Applied Science und ist bis heute bei dem Ingelheimer, familiengeführten Pharmakonzern in unterschiedlichen globalen Führungspositionen tätig. Häufig wird Sie zu Reden im In- und Ausland eingeladen, um über die Themen Enterprise Architecture oder Standardisierung von Produktinformationen zu sprechen. In Ihrer Freizeit macht Sie gerne Sport, wie beispielsweise Laufen und Radfahren.

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