Quelle: MichaelGaida/ pixabay.com

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Am 22. Februar 2017 hatten wir, eine Gruppe EMS-Studenten, die Möglichkeit, den Terrorismusexperten und stellvertretenden Chefredakteur des Zweiten Deutschen Fernsehens, Elmar Theveßen, auf dem Mainzer Lerchenberg zu einem zweistündigen Talk zu treffen.

Bereits bei der Anfahrt über die ZDF-Straße beeindruckten uns der Gebäudekomplex und das riesige Gelände, welches eine der größten öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten Europas beherbergt. Wir trafen uns auf dem „Platz der Köpfe“. Von dort aus wurden wir dann abgeholt und in das ZDF-Sendezentrum geführt, wo Elmar Theveßen uns in einem Konferenzraum bereits erwartete. Er begrüßte jeden persönlich mit Handschlag, was sofort für eine angenehme und entspannte Gesprächsatmosphäre sorgte. Nach einem kurzen Smalltalk stellte er sich ausführlich vor und erläuterte einige Fakten zum ZDF. So konnten wir die Dimension, die das ZDF als Medium hat, im Ansatz erfassen. Die Redaktion ist breit und international aufgestellt. Hier werden neben der Politik auch die Bereiche Sport und Boulevard abgedeckt. Der Sender verfügt über 19 Studios weltweit, da es laut Theveßen besonders wichtig ist, Personal vor Ort zu haben, um eine gute Recherche zu gewährleisten.

Exklusives Gespräch

Anschließend konnten wir Herrn Theveßen unsere Fragen stellen und diese mit ihm diskutieren. Dabei ging es um aktuelle politische Themen, aber auch kritische Fragen zum ZDF und den öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten im Allgemeinen. Er wurde dabei beispielsweise mit der Frage konfrontiert, wie und ob man sich und die eigene Berichterstattung hinterfragt in einer Zeit, in der die Medien und die freie Presse weltweit unter Beschuss geraten und in Deutschland bestimmte Gruppen von der „Lügenpresse“ sprechen. Elmar Theveßen wusste darauf sehr gelassen zu reagieren: „Die Diskussion um die Lügenpresse ist so alt wie die Menschheit.“ Er bestätigte uns aber auch, dass man sich selbstverständlich immer wieder hinterfrage, nicht zuletzt weil man gegenüber der Öffentlichkeit rechenschaftspflichtig sei. Es gebe sogar für Jedermann die Möglichkeit, beim Fernsehrat Beschwerde einzureichen, die dann dort geprüft werde. Außerdem betonte Theveßen, dass diesem Fernsehrat zwar Politiker angehörten, eine politische Einflussnahme auf die Berichterstattung allerdings völlig ausgeschlossen sei. Er nutzte diese Gelegenheit, in diesem Zusammenhang die Bedeutung der öffentlich-rechtlichen Medien hervorzuheben. So sei man beispielsweise durch die GEZ-Gebühren nicht von kommerziellem Erfolg abhängig, was dem ZDF ermögliche, sich auf eine seriöse Berichterstattung zu konzentrieren. Als Kontrast nannte Theveßen hier die Medienlandschaft in den USA, wo die Medien auf Werbeeinnahmen durch hohe Einschaltquoten angewiesen seien. Dies habe zu einem großen Teil dafür gesorgt, dass jemand wie Donald Trump Präsident werden konnte. Denn eine Person die so polarisiere, sorge auch für hohe Einschaltquoten, so dass die Medien dementsprechend häufig über ihn berichteten.

Die größte Herausforderung

Nach der Frage, wie gut es dem ZDF gelinge ein junges Publikum anzusprechen, räumte Herr Theveßen ein, dass wir damit den Finger in die Wunde gelegt hätten. Das Durchschnittsalter des ZDF-Zuschauers liege bei 62 Jahren, bei den Nachrichtenformaten sogar deutlich darüber. Man bemühe sich schon seit längerer Zeit um starke Konzepte, mit denen man jüngere Zuschauer ansprechen wolle. Dafür sei es relevant, das Angebot über das Fernsehen hinaus auf die Online-Mediathek und soziale Medien auszuweiten. Ein Ergebnis dieser Bemühungen sei das Nachrichtenformat „heute+“, welches Theveßen stolz als sein „Baby“ bezeichnete.

Elmar Theveßen musste sich auch einer persönlichen Frage stellen: „Wenn man sich so intensiv wie Sie mit dem Terror auseinandersetzt, wie positiv ist dann noch Ihr Weltbild?“ Seine Antwort war für alle Anwesenden sehr beruhigend: „Ich bin ein unverbesserlicher Optimist.“ Er sei getrieben vom Glauben, dass der Mensch die Dinge zum Guten verändern könne. Auch auf die Frage, ob man sich aufgrund von möglichen Wahlsiegen der Rechtpopulisten in mehreren Mitgliedsländern Sorgen um die Zukunft der EU und unserer Wertegemeinschaft machen müsse, antwortete er mit einer positiven Zukunftsvision, die sich auf die Vergangenheit stützt: „Ich bin fest davon überzeugt, dass wir es schaffen, weil wir in unserer Geschichte mehrfach unter Beweis gestellt haben, dass wir es schaffen können.“ An dieser Stelle zitierte er aus einer Rede von Barack Obama, die an uns Europäer gerichtet war und in der Obama die historischen europäischen Errungenschaften zu Frieden, Freiheit und Einigkeit hervorgehoben hatte. Außerdem verwies Theveßen auf die Bewegung „Pulse of Europe“, für die jede Woche tausende von Menschen auf die Straße gingen, um für ein geeintes und weltoffenes Europa zu demonstrieren.

Spannende Einblicke ins ZDF Studio

Nach unserem Gespräch führte uns Elmar Theveßen durch die Sendezentrale, wo wir die Orte sehen konnten, an denen „Fernsehen gemacht“ wird. Wir besuchten das Studio, aus dem unter anderem das aktuelle Sportstudio sendet. Wir sahen aber auch den Entstehungsort der heute-Nachrichten. Aus dem heute-Studio kam uns nur das große Nachrichtenpult bekannt vor. Der in Blautönen gehaltene Hintergrund, auf dem die Bilder zu den Nachrichten eingeblendet werden, fehlte. An dieser Stelle dominierte ein helles Grün. Elmar Theveßen erklärte uns stolz, dass man dank der verfügbaren modernen Technik in der Lage sei, alle benötigten Grafiken und Hintergründe künstlich entstehen zu lassen.

Schließlich wurden wir zum Ausgang begleitet und von Herrn Theveßen verabschiedet. Wenn man sich in unseren Reihen umgehört hat, wurde deutlich, dass die Exkursion zum ZDF von allen als sehr gewinnbringend und horizonterweiternd wahrgenommen wurde. Besonders hat uns die Begegnung mit Elmar Theveßen in einer politisch schwierigen Zeit sehr viel Mut gemacht und Angst genommen. So haben wir den Lerchenberg vor allem mit einer positiven Erwartung an unsere Zukunft verlassen.

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