Immer mehr Deutsche reisen mit Fernbussen. Doch trotz rasant steigender Passagierzahlen, verschwinden nun einige Anbieter vom Markt. Ist der Boom beendet? Werden die Ticketpreise mit weniger Anbietern nun steigen? Prof. Dr. Florian Hummel, Tourismusexperte der European Management School, gibt Antworten.

Quelle: Ana_J / pixabay.com

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Die Fernbusanbieter gelten als die großen Gewinner aus dem viertägigen Streik der Lokführer Anfang November. 30 bis 50 Prozent mehr Umsatz konnten die Fernbusse in den vier Tagen erzielen, heißt es. „Sicherlich war dies eine große ‚Werbekampagne‘ für die Fernbusse“, sagt Prof. Dr. Florian Hummel, Tourismusexperte an der European Management School. Aber auch sonst boomt der Fernbusmarkt: In den ersten acht Monaten 2014 haben die Anbieter bereits 14,1 Millionen Tickets verkauft. Zum Vergleich: 2013 waren es insgesamt 8,3 Millionen. Auch die Zahl der Verbindungen hat sich in diesem Jahr auf rund 250 vervierfacht.

Das Ende der Goldgräberstimmung

Auf dem Fernbusmarkt herrschte in den letzten beiden Jahren Goldgräberstimmung. Mittlerweile gibt es etwa 40 Akteure auf dem Markt. Doch trotz der steigenden Passagierzahlen, mussten in den letzten Wochen einige Fernbusanbieter aufgeben. „Dies ist eine Entwicklung, die im Allgemeinen so auch von allen Experten vorausgesagt wurde. Es ist aber überraschend, dass diese Marktbereinigung bereits so früh eintritt“, kommentiert Hummel die Entwicklung, „Zum einen liegt das an der Sättigung auf bestimmten Strecken und der Vielzahl an Anbietern, zum anderen an den immer noch sehr günstigen Preisen , die nicht zuletzt auch aus dieser Gegebenheit resultieren.“

Zuerst stellte das Frankfurter Unternehmen City-2-City Mitte Oktober den Betrieb ein. Interessant hierbei: Hinter dem Anbieter stand mit dem britischen Mutterkonzern National Express ein finanzstarkes Transportunternehmen. „Es scheint fast, als hätte dieser ‚Profi‘ die fortgeschrittene Dynamik des neuen aber bereits stark umkämpften deutschen Marktes unterschätzt“, sagt Hummel. Mitte November mussten dann die Fernbuspioniere von deinBus.de Insolvenz anmelden. 2011 hatten diese in einem Prozess das Bahnmonopol gebrochen und damit erst die Öffnung des Fernbusmarktes angetrieben. Und auch der ADAC gab bekannt, dass er seine Beteiligung an dem Gemeinschaftsunternehmen ADAC Postbus an die Deutsche Post AG abgeben will.

Kleine Unternehmen nahezu chancenlos

Das Problem liegt in der Verteilung der Marktanteile: Markführer ist MeinFernbus mit 45 Prozent. Dahinter liegt Flixbus mit 24 Prozent. Zudem hat Flixbus mit der Daimler AG einen finanzstarken Partner. Zum Vergleich: Der insolvente Anbieter deinBus.de ist ein Start-Up-Unternehmen dreier Jungunternehmer und hat nur einen Marktanteil von zwei Prozent.

Das wäre nicht so schlimm, wenn sich die kleinen Anbieter auf eine Marktnische konzentrieren würden. Doch alle Fernbusanbieter, egal ob groß oder klein, haben die gleiche Geschäftsstrategie: Zu besonders günstigen Preisen verbinden sie deutsche Städte. Diesen Preiskampf können die kleinen Anbieter gegen die finanzstarke Konkurrenz kaum gewinnen.

Werden Fernbusse nun teurer?

Ist der Boom auf dem Fernbusmarkt also nun vorbei? „Im Gegenteil, dies ist eindeutig ein Zeichen, dass der Markt auf Wachstum steht und sich nunmehr festigt. Die bestehenden Anbieter können sich nun stärken“, sagt Hummel. Weniger Anbieter könnten nun aber bedeuten, dass auch die Preise steigen. Schließlich ist es vor allem der Preiskampf der Anbieter in die Knie zwingt. Viele Fernbusse fahren zudem nicht kostendeckend. Laut einer Studie des Instituts IGES müssten Fernbusbetreiber ein Ticket für neun Cent pro Kilometer verkaufen, um wirtschaftlich zu arbeiten. Im Oktober wurden aber nur die Hälfte der Tickets zu einem solchen Preis verkauft. Der Rest lag darunter. „Sicherlich werden einige etablierte Anbieter auf Strecken, bei denen weniger Auswahl herrscht, nun versuchen die Preise anzuheben. Dies wird aber in der nächsten Zeit nur in kleinen Schritten erfolgen können und im Vergleich zur Bahn noch immer große Wettbewerbsvorteile bringen“, sagt Hummel.

Der Fernbusmarkt bereinigt sich nun also. Das Ausscheiden von City-2-City, deinBus.de und dem ADAC war erst der Anfang. In den kommenden Monaten werden noch weitere, vor allem kleinere Unternehmen folgen. Dann wird sich zeigen, welche Anbieter den längsten Atem haben und schließlich den Markt aufteilen. So extrem günstige Preise wie im Moment, wird es dann nicht mehr geben. Doch günstiger als die Deutsche Bahn werden die Fernbusse bleiben.

Von Simon Wächter

Prof. Dr. Florian Hummel

Prof. Dr. Florian Hummel

Zur Person: Als Professor für General Management lehrt Florian Hummel neben betriebswirtschaftlichen Fächern auch im Bereich des Hotelmanagements. In seiner Funktion als stellvertretender Leiter der European Management School in Mainz ist er verantwortlich für Bereiche der Hochschulverwaltung.

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