Quelle: geralt/ pixabay.com

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Sabine Reese-Fortmeier, Coach und Ausbilderin für Gruppendynamik (DGGO), über die Eigenschaften der Gruppenprozesse, deren Bedeutung für angehende Manager und ihre selbstständige Beratung bei beo-dialog.
Das Interview führte Selina Lippert

Frau Reese-Fortmeier, Sie bieten im Januar zusammen mit Herrn Dr. Lyding ein Sensitivity-Training für Studierende und Young Professionals an der EMS an. Was kann man sich unter dem Sensitivity-Training vorstellen und was erwartet die Teilnehmer?

Bei unserem Training im Januar erwartet die Teilnehmer eine neue Art der Selbsterfahrung. Die Frage ist, welche Rolle nehme ich selbst in Gruppen ein, wie wirke ich dabei auf andere und wie erreichen wir zusammen ein Arbeitsziel. Dabei gilt es natürlich auch Konflikte oder Unstimmigkeiten untereinander zu erkennen und zu lösen. Insbesondere durch ständiges Feedback durch uns und die anderen Seminarteilnehmer bekommt man die Chance, sich selbst zu reflektieren und zu verändern.

Haben Sie konkrete Beispiele für Trainingssituationen, die dort geübt werden?

Während den Trainingssituationen überlassen wir der Gruppe das Kommando: Das heißt, die Gruppe lernt sich selbst zu steuern und einen Weg zu finden, eigenverantwortlich zu arbeiten. Herr Dr. Lyding und ich greifen nur dann ein, wenn wir sehen, dass Verbesserung und Feedback nötig ist, um voranzukommen. Durch bewusst gestellte Aufgaben und Fragestellungen soll die Gruppe selbst erkennen, wo sie zur Zeit steht und wie sie sich weiterentwickeln kann.

Für wen ist dieses Training geeignet und welche Motivation sollte man mitbringen, um daran teilzunehmen?

Wir bieten das Training für alle an, die die Eigendynamik und das Steuern von Gruppen erforschen wollen. Dabei lernt man Grenzen auszutesten und wird angeregt, über die eigene Persönlichkeit nachzudenken. Man sollte Lust haben, sich auf unbekannte Situationen einzulassen und die dafür nötige Risikofreudigkeit mitbringen. Außerdem lernt die Gruppe ohne große Vorgaben zu arbeiten, daher ist eine gewisse Eigeninitiative essentiell.

Was sind sogenannte No-Go’s im Team, worauf sollte man achten wenn verschiedene Charaktere an einem Projekt zusammenarbeiten?

Der Schlüssel zum Erfolg aber auch Misserfolg heißt Kommunikation. Daher kann fehlende und unzureichende Kommunikation in der Gruppe Konflikte und Unstimmigkeiten erzeugen. Ein weiterer Punkt, der häufig zum Scheitern eines Projektes führen kann, sind unausgesprochene Empfindungen und Erwartungen. Es liegt oftmals in der Natur des Menschen, unangenehme Dinge nicht zur Sprache zu bringen, was letztendlich nur einem selbst und der Beziehung zu anderen schaden kann. Daher ist es wichtig, offen und direkt
anzusprechen, was als störend empfunden wird, auch um zu erfahren, ob es den anderen Mitgliedern ähnlich ergeht.

Warum braucht ein angehender Manager solch ein Sensitivity Training für Gruppen?

Das Training richtet sich besonders auch an junge Führungskräfte, die erst lernen mit der hohen Verantwortung und dem plötzlichen Druck umzugehen. Hier lernen sie, sich selbst richtig einzuschätzen und anfangs keine zu hohen Erwartungen an sich selbst zu stellen. Auch der richtige Umgang mit den Mitarbeitern muss erst gelernt werden. Den Fehler, den viele machen, ist keine klaren Absichten und Ziele zu formulieren, so dass viele Mitarbeiter verunsichert werden. Die ‚Golden Rule’ um Vertrauen zu gewinnen, ist hierbei die Motivationslage transparent zu machen, in dem man die Ziele, Veränderungen und Regeln eines Unternehmens deutlich und regelmäßig kommuniziert und die Mitarbeiter miteinbindet.

Ihre Beratung beo-dialog berät Mitarbeiter und Führungskräfte bei Umstrukturierung oder Unzufriedenheit im Job. Wie sieht ihr Arbeitsalltag aus, was kann man sich darunter vorstellen?

n meinem Arbeitsalltag werde ich mit den unterschiedlichsten Anliegen kontaktiert. Oftmals berate ich junge Führungskräfte, die sich die Frage stellen, wie sie mit den neuen Aufgaben und der Verantwortungshoheit umgehen sollen. Aber auch Führungskräften, die gerade eine Veränderungssituation oder Umstrukturierung im Unternehmen verantworten und steuern, stehe ich unterstützend zur Seite. In diesen Situationen hilft es, mit einer neutralen Person zu reden, die die Sachlage von außen objektiv betrachten und bewerten kann.

Wie sieht so ein Coaching für angehende Führungskräfte konkret aus?

n meinen Seminaren stelle ich den Teilnehmern die Frage: Was ist eigentlich Führung? Jeder definiert diese Antwort darauf anders und es ist wichtig für jeden zu erkennen, was die Motivation des eigenen Handelns ist. Man muss erkennen, was einem selbst am Wichtigsten ist und worauf man Wert legt. Wichtig ist auch, dass man anfangs nicht zu viel von sich selbst erwartet und sich überarbeitet, da jeder selbst entscheiden muss, wo die eigenen Grenzen liegen und wie viel Arbeitspensum einem gut tut. Denn wenn man diese ganzen Dinge über sich selbst weiß und sich bewusst wird, wie man auf Andere wirkt, kann Führung gelingen.

Sie sind seit über zwanzig Jahren selbstständiger Coach und Organisationsberaterin. Welche abschließenden Tipps können Sie Studierenden geben, die erfolgreich im Team arbeiten wollen?

Eine gute Kommunikation ist das A und O im Team. Erfolgreich im Team arbeiten, bedeutet gleichzeitig auch Toleranz gegenüber Fremdem und Andersartigkeit zu zeigen. Dabei ist es ebenso wichtig, dass man sich selbst und seinen Standpunkt nicht in Frage stellt und selbstbewusst auftritt. Sobald man diese Selbstwahrnehmung und Toleranz verinnerlicht hat, weiß man andere Charaktere und Persönlichkeiten zu schätzen und kann zusammen erfolgreich an einem Projekt arbeiten.

Zur Person:

f-007b-jpginternetauftritt-2Frau Reese-Fortmeier ist Diplom-Pädagogin, Supervisorin (DGSv) sowie Trainerin und Ausbilderin für Gruppendynamik (DGGO). Seit 1983 leitet sie mit ihren Partnern die Beratung beo-dialog, wo sie Mitarbeitern und Unternehmensführern unterstützend und beratend zur Seite steht. Zusammen mit Herrn Dr. Lutz Lyding bietet Frau Reese-Fortmeier vom 23. – 27. Januar 2017an der EMS ein Sensitivity Training an, das Studierende zur Selbsterfahrung in Gruppenprozessen einlädt.

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