Dubai wächst rasant. Ein Ende des Bau-Booms ist nicht erkennbar. Doch nicht mehr die Petro-Dollars sorgen für Wachstum, sondern die Neuerfindung der Stadt als Tourismusparadies. Hanno Martens, der in seiner Masterarbeit das Image der Wüstenstadt untersucht, erklärt den Dubai-Boom.

Quelle: shbsul / pixabay.com

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Der Tourismus am Golf boomt. Touristen kommen aus aller Welt und die Hotelbelegungsraten liegen teilweise deutlich über 80 Prozent. Die Fachzeitschrift FVW (Magazin für Touristik und Business Travel) schreibt: „Dubai & Co sind einfach in“. Angst vor Überkapazitäten besteht daher nicht und so werden in Dubai, Abu Dhabi, aber auch den anderen Emiraten sowie Katar fleißig Hotels gebaut. Insgesamt besteht keinerlei Zweifel, dass Dubai in der Tourismusentwicklung der Region den Ton angibt.

Dubai: Vom Fischerdorf zum Boom-Town

Bis 1830 war Dubai ein kleines Fischerdorf mit etwa 800 Einwohnern – in etwa dort, wo der Meeresarm Dubai Creek liegt. Das Dorf wuchs – dank der Steuerfreiheit – durch Handel und die Perlenindustrie. Um 1930 herum hatte Dubai bereits 20.000 Einwohner. 1966 begann im Emirat Dubai die Ölförderung und mit den Petro-Dollars kamen auch viele ausländische Händler. Anfang der 80er begannen die Einnahmen durch die Ölförderung zu sinken und so erfand sich das Emirat neu als Tourismusdestination sowie später auch als Finanz- sowie Shoppingzentrum (beides unterstützt durch die Steuerfreiheit). Die Gründung der Airline Emirates 1985 war dabei ein Meilenstein. Seitdem hat sich die Stadt sehr schnell gewandelt. Bereits 2000 war die Öl- und Gasförderung nur noch für zehn Prozent des Bruttoinlandsprodukts verantwortlich. Geschätzt standen 2006 etwa 30.000 Baukräne in Dubai, das waren 25 Prozent aller Baukräne auf der Welt. Ein Fakt der symbolisch für das Wachstum und den Bau-Wahnsinn Dubais steht.

Als Tourismusziel bietet Dubai eine Vielzahl besonderer Attraktionen. Von Superlativen wie dem höchsten Turm der Welt, Skifahren in einem Einkaufszentrum in der Wüste, über Wüstencamps, traumhaften Sandstränden bis zu Wasserparks oder Shopping-Malls bietet Dubai alles. Es wird zwar immer damit geworben, dass Dubai sehr billig wäre, aber laut einer Studie von Bloomberg stimmt dies nicht. Denn Dubai wurde nach Genf als zweitteuerste Stadt hinsichtlich der Kosten für ein Hotelzimmer ermittelt (trotz der Steuerfreiheit). Was aber auch an dem hohen Lebensstandard und der großen Dichte an Luxushotels liegen wird. Dubai bietet inzwischen aber eine Bandbreite verschiedenster Hotels und Appartements zwischen ein und fünf Sternen an. Das Hotel im Burj Al Arab hat sogar sieben Sterne. Die gibt es auf der Hotelskala von eins bis fünf zwar nicht, aber was in Dubai passiert passt sowieso in keine Skala mehr. Definitiv preiswert und zudem sehr schnell und praktisch ist die Dubai Metro. Die Fahrt ist allerdings deutlich weniger aufregend (bzw. angsteinflößend) als eine Taxifahrt im arabischen Fahrstil.

Höhepunkt des Dubai-Booms noch nicht erreicht

Es bleibt allerdings abzuwarten, ob Dubais Entwicklung so weitergehen wird. Bereits durch die Finanzkrise 2008/09 kam Dubai in erste Schwierigkeiten. Viele Projekte wurden auf Eis gelegt bzw. verschoben (z.B. ein neuer höchster Turm der Welt „Al Burj“, ein Unterwasser-Hotel, der größte Vergnügungspark der Welt „Dubailand“). Zudem war das Emirat auf finanzielle Hilfe vom Nachbaremirat Abu Dhabi angewiesen. Ein erster Warnschuss für Dubai. Die Schwierigkeiten waren jedoch, wenn es nach den Verantwortlichen geht, nur eine kurze Bremse. Ihren Höhepunkt hat die Entwicklung Dubais noch nicht erreicht.
Im Jahr 2020 steht definitiv ein Höhepunkt in der touristischen Entwicklung Dubais bevor. Die Weltausstellung EXPO wird in Dubai und damit zum ersten Mal überhaupt in der Region stattfinden. Bereits vor einigen Jahren hat das Emirat das Transportsystem und Bauprojekte sowie das Marketing auf die EXPO 2020 hin ausgerichtet. Als Thema hat Dubai „Connecting the Minds, Creating the Future“ mit den Unterthemen „Sustainability“, „Mobility“ und „Opportunity“ auserkoren. Erwartet werden 25 Millionen EXPO Besucher, die meisten davon aus dem Ausland. Womit diese Weltausstellung die Erste mit einer Mehrheit ausländischer Besucher sein wird. Das passt zu Dubai, denn wirkliche „Dubaier“ gibt es nur wenige.

Dubai Verhaltenscodex

  • Kein Alkohol außerhalb des Hotels (innerhalb ab 21)
  • Rauchen ab 21 (in Restaurants, Hotels aber auch in Parks und an Stränden verboten)
  • Sehr hohe Drogenstrafen (Vorsicht beim Import von Medikamenten)
  • Küssen und andere Zärtlichkeit in der Öffentlichkeit ist verboten
  • Homosexualität steht unter sehr strenger Strafe

Für Frauen:

  • Kleidung: Knie und Schultern bedeckt, kein Ausschnitt (Bikinis an einigen Stränden erlaubt)

Für Männer:

  • Muslimischen Frauen nicht die Hand reichen, nur annehmen, wenn Ihr sie angeboten bekommt
  • Kurze Hosen nicht zu kurz (gelten in dem Kulturkreis als Unterhose)

Mehr hierzu im offiziellen Dubai Code of Conduct

Dubai mit Vorreiterrolle in der Region

Sustainability in Dubai? Ja, Sie haben richtig gelesen. Dubai hat sich auch dem Thema Nachhaltigkeit verschrieben. Bestimmt nicht der erste Begriff, auf den man kommt, wenn man an Dubai denkt. Betrachtet man den Energiekonsum (Klimaanlagen), die Bauten (aufgeschüttete Inseln, Hochhäuser), die Touristenzahlen oder das Transportwesen, scheint hier noch kein großer Schwerpunkt auf einer nachhaltige Entwicklung zu liegen. Dubai hat sich jedoch, im Gegensatz zu vielen anderen Ländern oder Emiraten auf der arabischen Halbinsel, unabhängiger vom Öl aufgestellt und auch eine Vorreiterrolle in der Region übernommen. Solange Dubai „in“ bleibt (dafür wird viel investiert) und außerdem der internationale Tourismus weiter wächst, braucht das Emirat auch keine Angst vor Überkapazitäten zu haben.

Hanno Michail Martens

Hanno Michail Martens

Über den Autor: Hanno Michail Martens hat bis 2012 in Aachen Geographie (Bachelor) studiert. Nach einem Auslandspraktikum im Oman begann er an der Cologne Business School (CBS) den Masterstudiengang Sustainable Tourism Management zu studieren. Zudem arbeitet er als studentische Hilfskraft an der CBS im Tourismusbereich unter der Leitung von Prof. Dr. Florian Hummel. Aktuell schreibt er seine Masterarbeit über das Image von Dubai und Abu Dhabi als Tourismusdestinationen..

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