Rolf Dindorf, EMS-Dozent und Trainer und Berater für Kommunikation und Demografie-Management, erklärt, warum die Generation Y ein großer Schatz für Unternehmen ist

Herr Dindorf, viel wird in letzter Zeit über die Generation Y, also die zwischen 1980 und 1995 Geborenen, geschrieben. Was ist denn so anders an dieser Generation?

Quelle: Thomas Pajot/Shutterstock

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Um es gleich vorwegzunehmen, die Generation Y gibt es gar nicht. Zu heterogen ist die Alterskohorte um alle über einen Kamm zu scheren. Marketingagenturen, Berater und Medien können allerdings gut von einer solchen Schöpfung leben. Die teilweise unsinnige „Verteufelung“ der Generation Y, die in den letzten Jahren stattgefunden hat, steht im Widerspruch zu den realen Gegebenheiten. So schreibt die „Zeit“ aktuell: „Letztlich zeigt sich, dass die angeblich so fordernde Generation der jungen Beschäftigten die Arbeitswelt kaum verändert – sie passt sich vielmehr an.“ Ist das wirklich so überraschend? Während die 68er noch von der Revolution träumten, kann das ernsthaft wohl niemand der Generation Y unterstellen. Der Werteunterschied ist keineswegs so dramatisch wie er seitens der Medien häufig herbeigeredet wird.

Und was unterscheidet die Gen Y Ihrer Meinung nach von anderen Generationen, z.B. der Generation X?

Stand für die Generation X das „unbedingte“ berufliche Vorankommen im Mittelpunkt, relativiert sich das für die heutige Generation. Ellbogenmentalität, Individualität, Anpassung und Ehrgeiz charakterisiert die Kohorte der 30 bis 50-jährigen Xer. Die Generation Y sucht dagegen eher einen Sinn in ihrer beruflichen Tätigkeit als in Geld. Das Privatleben wird nicht mehr bedingungslos der Karriere geopfert. Zugleich wächst das Selbstbewusstsein angesichts des demographischen Wandels. Die Zahl potentieller Ausbildungskandidaten wird in den nächsten Jahren weiter deutlich zurückgehen. Ausbilder und Betriebe, aber auch Bildungseinrichtungen werden sich zunehmend – gerade auch in unattraktiven Branchen – Gedanken machen müssen, wie sie Jugendliche für sich gewinnen. Ein „weiter so” wird vielerorts nicht mehr möglich sein. Die Generation Y erwartet neue Antworten auf neue Herausforderungen.

Sie sprachen anfangs von einer Verteufelung der GenY. Welche Vorwürfe müssen sie sich denn gefallen lassen?

Verwöhnt, selbstverliebt und egoistisch – gegen diese Vorwürfe muss sich die häufig kritisierte Generation Y wehren.

Und mit welchen Herausforderungen muss die GenY kämpfen?

Abgesehen von den genannten Pauschalisierungen, trifft die jüngere Generation auf eine Arbeitswelt, die sich dramatisch wandelt. Unsichere Beschäftigungsverhältnisse, Rente bis 67, lebenslanges Lernen, internationaler Konkurrenzkampf und Industrie 4.0 sind da nur einige Stichworte.

Welche Stärken kann die Generation Y einbringen, um sich dieser Arbeitswelt zu stellen?

Ein ganz wichtiger Punkt ist der Vernetzungsgedanke, den die Generation in die Unternehmen trägt. Im Hinblick auf Teamarbeit ist dies ein wichtiger Vorteil. Ihre Flexibilität und Aufgeschlossenheit sind weitere Pluspunkte. Angesichts einer sich immer stärker vernetzenden und internationalisierenden Welt liegt da ein großer Schatz, den es unternehmerisch zu bergen gilt.

Wo liegen hingegen die Schwächen der GenY?

Ist es eine Schwäche, wenn junge Menschen mehr Möglichkeiten der Mitgestaltung einfordern? Unternehmenskulturen haben sich im Laufe der Geschichte immer geändert. Daher sind neue oder anders gesetzte Akzente der Mitgestaltung keine Bedrohung, sondern tragen zum entscheidenden Wettbewerbsvorteil im Zeitalter der digitalen Revolution bei.

Rolf Dindorf M.A., M.A., Betr. (IWW)

Rolf Dindorf M.A., M.A., Betr. (IWW)

Zur Person:Im Lauf seines Berufslebens hat Rolf Dindorf (Jahrgang 1969) verschiedenste Rollen ausgeübt. Der Betriebswirt und Politikwissenschaftler verfügt über einen Masterabschluss im Fach „Erwachsenenbildung“. Seine Trainings und Beratungen basieren auf wissenschaftlich fundierten, nachhaltigen Konzepten. Rolf Dindorf führt den durch Manager-Seminare ausgezeichneten Blog Generation Silberhaar.

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