Karin Johnson, Trainerin Stil & Etikette bei der Lufthansa AG, über die richtige Begrüßung, angemessene Kleidungsstile und wie gute Umgangsformen Ihre Karriere fördern.

Quelle: RyanMcGuire / pixabay.com

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Frau Johnson, jedes Gespräch beginnt mit einer Begrüßung. Doch schon hier kann man einiges falsch machen. Können Sie mir erklären, wie ich richtig begrüße?

Natürlich! Üblich ist es bei einer Begrüßung sich die Hand zu reichen. Der Händedruck sollte dabei fest, aber nicht zu fest sein, und zwischen ein und zwei Sekunden dauern. Schauen Sie Ihrem Gegenüber dabei in die Augen. Unbedingt sollten beide Gesprächspartner dazu aufstehen. Das wird aber leider oft vergessen.

Und wer reicht wem zuerst die Hand?

Das ist ein entscheidender Punkt und wird in der Praxis oft falsch gemacht! Grundsätzlich gilt: Der Ranghöhere reicht dem Rangniederen zuerst die Hand. Er entscheidet, ob es zum Handschlag kommt oder nicht. Bei einem Vorstellungsgespräch sollte der Bewerber zum Beispiel warten, bis der Interviewer ihm die Hand entgegenstreckt und dann erst den Handschlag erwidern.

Das klingt nach vielen Regeln. Was kennzeichnet denn gute Umgangsformen generell?

Zuerst einmal geht es nicht darum nur Regeln auswendig zu lernen, sondern gute Umgangsformen sind eine Einstellungssache. Es geht um Werte wie Rücksicht, Toleranz, Respekt und Höflichkeit. Diese sollten Sie von Herzen leben und verinnerlichen. Auswendig Gelerntes wirkt hingegen nur wenig authentisch.

Warum sind Ihrer Meinung nach gute Umgangsformen so wichtig?

Gute Umgangsformen erleichtern das Miteinander. Sie machen sympathisch und sorgen für eine angenehme Atmosphäre. Auch Ihr Auftreten wird so souveräner und sicherer, was Ihnen vor allem im Beruf helfen kann.

Und wie hilft das im Beruf genau?

Souveränes und sicheres Auftreten kann Ihnen den Berufseinstieg erleichtern oder Ihre Karriere vorantreiben. Gute Umgangsformen sind die Basis dafür. Denken Sie immer daran, dass die Unternehmenskultur von den Mitarbeitern geprägt wird und diese das Unternehmen nach außen repräsentieren. Vor allem in Berufen mit Kundenkontakt sind gute Umgangsformen daher ein wichtiges Einstellungskriterium.

Auf welche Umgangsformen sollte ich im Berufsleben besonders achten?

Da wäre, wie bereits erwähnt, die richtige Begrüßung. Auch der Kleidungsstil sollte angemessen sein und zum Arbeitgeber passen. Zudem wird es immer wichtiger kulturelle Unterschiede zu berücksichtigen. Ein gutes Beispiel ist hier der Blickkontakt. In Deutschland ist er Zeichen des Respekts. Im arabischen Kulturkreis kann dieser aber leicht missverstanden werden. Insbesondere zwischen den Geschlechtern kann der Blickkontakt als eine Aufforderung zu einer intimen Handlung aufgefasst werden. Auch der angemessene Umgang mit modernen Kommunikationsmitteln ist bedeutend. Es ist zum Beispiel sehr unhöflich, wenn Sie sich mit jemandem unterhalten und dabei ständig auf Ihr Handy sehen. Aber natürlich könnte man noch viel mehr Beispiele nennen.

Welche Grundregeln muss Ihrer Meinung nach Jeder kennen?

Zuerst einmal ist es, vor allem im Berufsleben, wichtig Hierarchien und Rangfolgen zu beachten. Auch sollten Sie zu Ihrem Gegenüber die Distanzzonen wahren. Treten Sie jemandem zu nahe, fühlt dieser sich unwohl. Üblich ist zwischen Fremden die persönliche Distanzzone von einem halben bis einem Meter, die beispielsweise bei einem Handschlag zustande kommt. Näher sollten Sie nur an Freunde oder Familienmitglieder herantreten. Eine sehr wichtige Grundregel ist zudem seinen Gesprächspartner ausreden zu lassen und ihm zuzuhören. Das klingt zwar banal, aber in der Hektik des Alltags wird diese Regel häufig vergessen. Auch eine offene Gestik und Mimik ist wichtig. Lächeln Sie und nehmen Sie Ihre Hände aus den Hosentaschen.

Unsicherheit herrscht vor allem bei jungen Arbeitnehmern oft in Bezug auf die Businesskleidung. Welche Regeln gelten hier?

Für die Kleidung gibt es klare Regeln. Diese unterscheiden sich allerdings je nach Art des Unternehmens, Branche und Anlass. Generell gilt: Seien Sie besser over- als underdressed. Die Unterscheidung zwischen Business, Business Casual und Casual sollten Sie aber auf jeden Fall kennen.

Können Sie den Unterschied kurz erklären?

Der Business-Look ist hochoffiziell. Männer tragen einen klassischen Anzug, weißes Hemd und Krawatte. Frauen Hosenanzug oder Kostüm. Sie finden diesen Kleidungsstil vor allem in Unternehmensberatungen, Banken und Anwaltskanzleien. In kreativeren Branchen wie zum Beispiel in Medien und Werbung, trägt man hingegen meist Business Casual. Hier darf das Hemd auch gemustert sein und die Krawatte fehlen. Es muss auch nicht unbedingt ein Anzug sein, sondern eine Kombination geht auch. Jeans sind allerdings tabu! Casual hingegen ist ausschließlich ein Freizeitlook. Jeans sind hier erlaubt. Es gilt aber: Seien Sie lässig, aber auf keinen Fall nachlässig! Auch ihr Freizeitlook sollte ordentlich, gepflegt und sauber sein.

Das Interview führte Simon Wächter

Karin Johnson

Karin Johnson

Zur Person: Karin Johnson ist nebenberufliche Trainerin für Stil & Etikette. Hauptberuflich arbeitet sie seit über 20 Jahren als Flugbegleiterin. Seit 2001 ist sie in der Position des Pursers verantwortlich für die Führung der Flugbegleiter an Bord (seit 2008 auf der Langstrecke). Zusätzlich zu ihrer fliegerischen Tätigkeit ist sie auch als externe Trainerin bei der Lufthansa Flight Training GmbH tätig (Ausbildung und Schulung von Flugbegleitern).

Dieser Artikel hat 1 Kommentar

  1. Ciao Karin,

    Wie geht es Dir nach LH ?
    ich sehe, Du bist weiterhin sehr aktiv-
    Das letzte Mal sahen wir uns kurz in SZG bei den Festspielen mit Deinem Mann-
    das müssen einige Jahre her sein…….
    Ich bin dieses Jahr wieder zu Pfingsten bei den Festspielen, mit Freundinnen aus MUC und ZRH.
    Es wäre schön von Dir zu hören-

    LG Gia /Wiesbaden noch aktiv/ last year ?

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