Auslandssemester Taiwan

Auslandssemester Taiwan

Die Freundlichkeit der Taiwanesen zeigte sich schon beim Check-In wo ich ohne jegliches Nachfragen in die Business Class gesetzt wurde. Der Flug an sich verlief somit recht entspannt, wenn auch es gar nicht so leicht war Schlaf zu finden, da meine Reise nach europäischer Zeit von 11:00 morgens bis ca. Mitternacht ging. Problem hier allerdings, man kommt um 6:00 taiwanesischer Zeit an und hat somit den ganzen Tag vor sich. Eine gute Hilfe zum wach bleiben war hier, dass das Taximeter bei allen 5NT$ (1€ ~ 40NT$) piepst was ungefähr alle 200 Meter passiert…könnt euch also ausrechnen wie entspannt das ist bei 100kmh auf dem Freeway. Die Entscheidung sich für die erste Woche in ein Hostel einzumieten erwies sich als überaus hilfreich. Schon am ersten Abend fand sich eine Gruppe von 10 Austauschstudis aus diversen Ländern mit denen direkt die Nachtclubszene von Taipei erkundet wurde. Am 2ten Tag entstand somit die eigenartige und undefinierbare Mischung aus Hangover und Jetlag. Erfreulicherweise ergab sich trotz körperlicher und geistiger Unfähigkeit zur Wohnungssuche an diesem Tag für mich die Chance auf ein Zimmer. Ein Italiener namens Anthony (nein, er heißt tatsächlich nicht Antonio) war auf der Suche nach Mitbewohnern, da er ein Apartment nahe der „Stadtmitte“ gefunden hatte.

Kurze Erklärung hierzu: Taipei ist im Vergleich zu europäischen Normen aufgrund seines rapiden Wachstums recht eigenartig aufgebaut. Einen Altstadtkern sucht man somit vergebens und auch eine offizielle Stadtmitte ist nicht zu bestimmen. Um den Hauptbahnhof herum finden man verschiedene Bezirke in denen man einkaufen gehen kann, südlich davon gibt es eher einen kulturell belasteten Bereich mit Sehenswürdigkeiten, einem Park, Theatern, Museen, etc. und zu guter Letzt das modernste und westlichste Viertel rund um den Taipei 101. Hier befinden sich Banken, Shopping Malls und auch die meisten Clubs und Bars der Stadt. Genau da in der Nähe ist auch das eben genannte.

Die erste taiwanesische Wohnung:

Um die Wohnung zu beschreiben reicht eigentlich ein Wort: taiwanesisch, was soviel heißt wie: harte Matratzen, Schreibtische auf Kniehöhe mit 20cm² Arbeitsfläche, einem vergitterten Balkon inklusive Waschmaschine und die Fenster (wenn denn überhaupt vorhanden) werden zu 80% von der Klimaanlage beansprucht. Insgesamt gibt es also 6 Zimmer, 2 Bäder, die in ihrer Gesamtheit jeweils als Duschkabine fungieren und eine Art Küche, die bei den lokalen Essenspreisen sowieso unnötig ist. Für ca. 230€ Miete im Monat ist die Taiwan-Erfahrung hiermit perfekt! Außerdem schrecken mich die Komplikationen ab, die andere Studenten hier bei ihrer Wohnungssuche haben. Natürlich besteht auch die Möglichkeit „westlichere“ Wohnungen zu finden (meist dann auch über englische Websites oder mit englischsprachigen Maklern) allerdings endet das meistens bei ca. 400€ im Monat. …und Fenster nach draußen sind ja sowieso reiner Luxus. Der „Schießscharten“ in meinem Zimmer geht immerhin rüber zur Küche.

Architektur und Stadtbild:

Straße in Taipei

Straße in Taipei

Die Apartmentbeschreibung trifft eigentlich auf die ganze taiwanesische Architektur zu, die ich bisher gesehen habe. Ein Großteil der Häuser zeigt sich als von außen gefliester Betonklotz, der an ein deutsches Schwimmbad der 70er Jahre erinnert, gesäumt von Klimaanlagen im Abstand von 2-3 Metern in jede Richtung und meist vergitterte Fenster sowie Balkone. Desweiteren werden die Fassaden von Rohren und freiliegenden Kabeln geziert. Desweiteren wird die Fassade von großflächigem Schimmelbefall, Rohren und freiliegenden Kabeln geziert. Sehr praktisch hierbei: selbst der Stromzähler befindet sich an der Hausfront was den Besuch der Stadtwerke im Vergleich zu Deutschland zeitlich reduziert. Sobald man nicht mehr in einem ausschließlichen Wohnviertel ist, befindet sich im Erdgeschoss eigentlich immer! ein schlauchförmiges, nach außen geöffnetes Geschäft mit ungefähr 3-6Meter großer Eingangsfront. Typische Beispiele hier sind Gemüsehändler, Werkstätten für Motorroller, Bubble Tea Läden, Drogerien, Essensstände, noch mehr Essensstände, „Restaurants“, Autowäschereien, Elektrokrimskrams-Läden, noch mehr Essensstände, Massagegeschäfte und alle 200 Meter ein 7-11 bzw. anderer Convenience Store. Oft aber befinden sich auch diverse Shopping Passagen 3-4 Stockwerke unter der Erde. Macht eigentlich Sinn, denn, oben ist es sowieso viel zu heiß.

Klima:

Skyline Taiwan

Skyline Taipei

Sollte jetzt jemand von euch die Apple Wetter App checken, vertraut ihr nicht! Seit meiner Ankunft steht da für jeden Tag Gewitter, aber das nächste dazu waren mal 15Minuten Regen. Ansonsten ist es hier an 2/3 der Tage bewölkt/diesig/versmoggt … was auch immer, auf jeden Fall hängt ein undefinierbarer grauer Schleier über der ganzen Stadt, der allerdings nie so Dicht ist, als dass er den 101 komplett in sich verschluckt. Der ist hier übrigens die perfekte Orientierungshilfe da man ihn aus jeder Ecke der Stadt sieht. Die Temperatur schwankt in Taipei regelmäßig zwischen unangenehm schwül und unerträglich heiß (egal ob tagsüber oder nachts) und der tägliche T-Shirt Konsum bei unterdurchschnittlicher Anstrengung liegt bei grob geschätzten 1,78 Shirts/Tag. Der Preis für eine Dose Deo ist dafür sehr hoch bei 4,20€ für die normale Dose AXE angesiedelt. Allerdings habe ich während den kompletten 2 Wochen auch noch keinen Asiaten schwitzen sehen, obwohl viele sogar mit langen Hosen rumlaufen. Das Gleiche gilt auch für andere Körperpflegeprodukte wie Shampoo, Rasierschaum und Sonnencreme welche ca. 50% teurer sind als in Europa. Für letzteres hätte sich nach unserem eintägigen Strandausflug die Investition allerdings definitiv gelohnt.

Aber! Nicht abschrecken lassen, das klingt jetzt zwar erst mal eher abschreckend, aber Taipei ist eine total spannende Stadt und die Leute hier, Austauschstudis sowie Locals sind extrem nett und hilfreich, das passt alles gar nicht in einen Bericht. Mehr Infos in und um Taipei, NCCU und Co. also in Kürze!

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