Lima – la ciudad de los reyes, la gris, oder einfach gesagt: mein neues Zuhause. Für sechs Monate befinde ich mich in Südamerika, von denen ich vier in der Hauptstadt Perus verbringe, die nebenbei auch die größte Stadt des Landes ist. Zwar bin ich eher schlecht als Recht, nach 19 Stunden Flug, an meinem Ziel angekommen, dennoch habe ich mich riesig gefreut das große Abenteuer „Auslandssemester“ anzugehen.

Auslandssemester Lima

Auslandssemester Lima

Zugegebenermaßen war meine erste Zeit in Lima schwierig. Falls man, so wie ich, noch nie zuvor in Südamerika, Peru, oder in einem anderen nicht mit Deutschland vergleichbarem Land war, wird man erschlagen von den ersten Eindrücken. Ich fand die Stadt laut, dreckig, kalt (Wintersaison) und habe sie zunächst nicht wie ein sicheres Zuhause empfunden. Aber wie ich in meinem Studienfach „Intercultural Management“ so schön gelernt habe, nach dem ersten Kulturschock folgt schon sehr bald die Anpassung.

Verkehr in Lima

Wenn ich den Verkehr in Lima mit drei Wörtern beschreiben müsste wären es wohl: Autos, Autos, Autos. Wer glaubt in Deutschland sei der (Berufs-)Verkehr schlimm, der hat sich getäuscht. Verkehrsregeln wie in Deutschland existieren hier nicht, genauso wenig wie Anschnallgurte oder Sicherheitsrichtlinien für den Zustand der Autos. „Rechts vor links“ ist hier keinem ein Begriff und solange man langsam genug über die rote Ampel rollt, zählt diese noch als grün. Im Kreisverkehr gilt: Augen zu und durch, oder einfach hupen, um anzukündigen, dass man die Vorfahrt nehmen wird. Generell wird hier für alles, aber auch wirklich ALLES, die Hupe betätigt: um Vorfahrt zu haben, potenzielle Taxi-Klienten ausfindig zu machen, sich zu grüßen, sich zu echauffieren oder um den Fahrer vor einen aufmerksam zu machen, dass die Ampel bereits seit einigen Millisekunden grün ist. Verkehrstechnisch habe ich in Lima die verrücktesten Sachen erlebt, besonders in meinen unzähligen Taxifahrten. Ich würde schätzen rund 89% des gesamten Verkehrs besteht aus Taxen, wovon rund 60% vermutlich illegal sind. Extrem positiv ist allerdings der Preis, der im Vergleich zu Deutschland wirklich niedrig ist. Eine Taxifahrt in der Innenstadt kostet zwischen drei und sechs Soles (0,60€ – 1,30€) und außerhalb, beispielsweise zur Universität San Ignacio de Loyola in la Molina, zwischen zehn – 15 Soles (2,50€ – 4,50€) für mehr als vierzig Minuten Taxifahrt. Es ist gang und gebe, dass man zu Beginn der Fahrt bezahlt, damit der Taxifahrer sein (bunt dekoriertes) Auto an der „Grifo“ (Tankstelle) auftanken kann. Die Taxifahrer sind sehr gesprächig und möchten alles über die weite Welt außerhalb Perus erfahren, da es leider vielen nicht möglich ist weit zur reisen – so dass ich oft mein Spanisch anwenden kann. Überhaupt sind die Peruaner sehr offen und freundlich und es ergeben sich viele alltägliche Gesprächssituationen in denen ich die Sprache verbessern kann.

Plaza Mayor De Lima

Plaza Mayor De Lima

Menschen und Mentalitäten in Lima

Meine persönlichen Erfahrungen mit Mensch und Mentalität überwiegen, glücklicherweise, im positiven Sinne. Ich habe Peruaner als sehr hilfsbereit und interessiert kennengelernt, was sich natürlich sowohl positiv als auch negativ auswirken kann. Durch meine Entscheidung spanische Kurse zu wählen, habe ich direkt von Beginn an Kontakt mit Peruanern gehabt. Aber nicht nur in der Universität konnte ich Freundschaften schließen, sondern auch in meinen Freizeitaktivitäten, wie zum Beispiel meinem Cheerleading Team. Glücklicherweise fand ich ein Team bevor ich nach Peru, Lima, gereist bin und wurde mit offenen Armen empfangen. Ich schätze an allen ihre Ehrlichkeit und Direktheit, aber eines haben alle gemeinsam: sie lassen sich Zeit. Mit allem. Ob im Laufen, mit der Arbeit, im Planen etc. Peruaner brauchen scheinbar für alles einfach ein bisschen länger. Ähnlich wie mit den Verkehrsregeln ist Pünktlichkeit hier ein Fremdwort. Wenn man sich mit Peruanern um 20:00 Uhr verabredet, braucht man sie vor 21:30 Uhr nicht zu erwarten. Wir „Internationals“ haben uns schon angewöhnt nachzufragen: „European or Peruvian time?“. Eine wichtige Frage, die nicht zu vernachlässigen ist, wenn man versucht seinen Tag, seine Woche, seine Aktivitäten oder Sonstiges zu planen. Das ist ein weiterer Aspekt an den ich mich anpassen musste. Hier ist alles ganz entspannt. Stress kennt hier keiner, beziehungsweise Stress macht sich hier keiner. Plan und Ordnung? Wer braucht das schon – klappt ja am Ende doch irgendwie. Und so verwirrend es klingt, so habe ich bisher die drei vergangenen Monate gut gelebt. Man passt sich an und wird von der Mentalität getragen, man macht sich weniger Sorgen, weil es schon gut gehen wird. Ich habe gelernt Spontanität zu schätzen und damit glücklich zu sein, was man hat und sich nicht damit zu beschäftigen, was man stattdessen haben könnte. Familie, Freundschaften und Beziehungen haben hier ebenfalls hohen Stellenwert. Man kümmert sich erst um die anderen, denn sobald es deinen Liebsten gut geht, geht es dir auch gut. Hier gilt das Prinzip „sharing is caring“ und das durfte ich schon von allen Seiten, nicht nur in Form von Gastfreundlichkeit, erfahren.

 

PS: Wer mehr Bilder sehen und mir folgen möchte, kann mich gerne auf Instagram besuchen. Nutzername: jathlyn

Dieser Artikel hat 1 Kommentar

  1. Hi,
    Ich studiere Psychologie und habe überlegt ein Auslandssemester in Lima zu machen. Hast du Tipps wie man staatliche Unis für Psychologie findet? Finde es schwierig einen Startpunkt mit meinen Recherchen zu finden.
    Danke! Liebe Grüße, Lina

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