Ausflüge – Die Penghu Inseln

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Die Penghu Inseln (ausgesprochen Pong-hu und in keinster Relation zum flugunfähigen Vogel der südlichen Hemisphäre stehend) befinden sich in der Straße von Taiwan auf ungefähr halber Strecke nach China, dienen als gut gelegener militärischer Stützpunkt zur Überwachung des kommunistischen Erzfeindes auf dem Festland und sichern ihr Überleben weitestgehend durch Fischerei und Tourismus. Für einen international gemischten Trupp von NCCU Austauschstudenten bietet sich dieses Reiseziel daher perfekt für einen spontanen Tripp an um die Freizeit der letzten Woche vor Semesterbeginn zu überbrücken. Aufgrund der Wind und Wetter ausgesetzten Lage hält sich die Vegetation des Archipels stark in Grenzen und die Landmassen enden im Westen mit schroffen Felsklippen, während man im Osten ewige weiße Sandstrände vorfindet.
Im Großen und Ganzen bietet die Inselgruppe keine eindrucksvollen Sehenswürdigkeiten, ist aber ein perfekter Ort um neue Freundschaften für das kommende halbe Jahr zu schließen und sich auf nur leicht befahrenen Straßen mit dem regional beliebtesten Verkehrsmittel vertraut zu machen: dem Scooter!

Scooter fahren

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Für Erkundungstouren auf kürzeren Distanzen sind Motorroller das perfekte Gefährt für den Wochenendetrip eines jeden Austauschstudenten in Taiwan. Man reist bequem per Bus/Bahn/Flugzeug an und mietet sich vor Ort die gewünschte Anzahl der motorisierten Zweiräder. Verleihstationen findet man in größeren Städten und touristischen Gebieten problemlos. Während manche auf einen taiwanesischen Führerschein beharren, wollen einige noch nicht mal den internationalen Lappen sehen und händigen einem für ca. 10€ pro Tag Scooter und Helm aus. Obacht aber mit der Versicherung, was man hier bekommt sind 125cc Roller, die man in Deutschland eigentlich nur mit Motorradführerschein bewegen darf!

Oft geht das Ganze entspannt mit zwei Personen pro Gefährt, nach einem halben Tag wird es dann aber langsam unbequem und aus persönlicher Erfahrung rate ich von der Doppelbelegung während alpinen Erkundungstouren über 2500Metern ab. Hier ist mir nämlich der Gaszug mitten auf einem einspurigen Gebirgspass gerissen und ich durfte mich nach einstündiger, provisorischen Reparaturleistung 5 Stunden einhändig durch Taiwans Zentralgebirge kämpfen. Die andere Hand nach unten gestreckt am nunmehr halb so langen Kabelzug zum Motor.

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Vor allem ihre Wendigkeit erweist sich im taiwanesischen Straßenchaos als größter Vorteil gegenüber einem Mietwagen, welchen man für ca. 35€/Tag bekommt. Schneller als 70km/h darf man auf den Landstraßen sowieso nicht fahren und an das Überleben mit dem Inhalt eines einzelnen Rucksacks gewöhnt man sich auch schnell…zumindest solange die Temperaturen noch keinen Pullover fordern.

Must-Sees in Taiwan

Bereist man Taiwan, so sollte man als vorbildlicher Tourist mindestens die folgenden 3 Hauptattraktionen abarbeiten:
1. Taroko National Park
2. Kenting National Park
3. Sun Moon Lake National Scenic Area
Von letzterem vermag ich leider nicht persönlich zu berichten, die Begeisterung meine Mitstudenten über den hochgepriesenen Gebirgssee hält sich allerdings schwer in Grenzen.

TAROKO

Die Taroko Schlucht im Osten der Insel frisst sich ca. 30km durch das Zentralgebirge bis knapp ans Meer, nördlch der Küstenstadt Hualien und bildet ebenfalls das Ende des eindrucksvollen Central Cross Island Highway. Durch den Haupt-Canyon fließt ein von riesigen, senkrecht abfallenden Klippen eingezwängter Strom der von mehereren Zuflüssen gespeist wird welche ebenfalls ihre eigenen kleinen Schluchten gebildet haben. Wie sich aus den geografischen Gegebenheiten schließen lässt windet sich nur eine einzige Straße entlang, sowie durch die massiven Felswände und wird vor allem an sonnigen Wochenenden von Reisebussen geplagt bei denen dabenteuerliche Wendemeuver wahrscheinlich schon in der Tourbeschreibung vorhanden sind. Um den National Park abseits des Highways zu erkunden gibt es viele, gut ausgeschilderte Wanderrouten die einen in kleine Täler und Schluchten führen, deren Flüsse von riesigen Marmorfelsen gesäumt werden und die dicht bewaldeten Hänge von handgroßen Schmetterlingen und Makaken bewohnt werden. Was von den Pfaden aus schon eindrucksvoll ist, wird noch spannender wenn man sich dem Schildermeer des taiwanesischen Sicherheitswahns widersetzt und diverse Abstecher ins Flussbett selbst macht, oder den Pfaden hinter Absperrungen folgt. Eine Welt wie in Steven Spielbergs Jurrasic Park…ohne die Uhrzeitechsen selbstverständlich. Meiner Meinung nach ein Muss für jeden Reisenden in Taiwan, das am besten mit Bildern beschrieben wird.

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KENTING

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Als erster National Park Taiwans umfasst der Kenting National Park den kompletten Südzipfel der Insel und ist vor allem für sein tropisches Klima und die weißen Sandstrände bekannt. Während es in Taipei schon ungewohnt kalte 15Grad bei dauerhaftem Nieselregen hat, kann man sich 6 Autostunden südlich noch einen gehörigen Sonnenbrand einfangen. Wer Kenting besucht sollte aber der Verlockung widerstehen den kompletten Aufenthalt am Strand zu faulenzen und eine Erkundungstour ins Landesinnere unternehmen. Die Region besteht größtenteils aus Kalkfelsen und sieht daher aus wie ein Korallenriff von dem der Urwald besitz ergreift, Affen natürlich inklusive. Etwas verstörend ist nur der Anblick des Atomkraftwerks am Ende Kentings längsten Strandes, dessen Bau ungefähr 2 Jahre nach Eröffnung des National Parks began.
Wer schonmal „Life of Pi“ gesehen hat, Kentings malerischster Strand „Baisha Bay“ diente hier als Filmkulisse.

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XUESHAN

Weniger den Chinesischen Touristeninvasionen verfallen und ebenfalls kräftezehrender war hingegen die Besteigung Taiwans zweithöchten Berges, der Xueshan (Snow Mountain). Trotz seiner Namensgebung ist Schneefall auf seinen fast 3900Metern eher selten. Die taiwanesische Liebe zur unsinnigen Verumständlichung eines normalerweise recht simplen Unterfangens findet hier einen Höhepunkt der nur von meiner Tollwutimpfuns-Odyssee übertroffen werden konnte. Bevor die eigentliche Wanderung beginnen kann steht dem zukünftigen Gipfelstürmer nämlich diverser Papierkram bevor, der ohne chinesische Schriftkenntnisse und einer mangelhaft übersetzten Website definitiv nicht einfacher wird.
Im Folgenden eine Schritt für Schritt Beschreibung meiner Vorbereitung zur Erklimmung des Felsriesens:

Schritt 1: Schreibe eine Mail an die Parkverwaltung mit Anfrage auf eine „Mountain Climbing Permit“

Schritt 2: Fülle den gesendeten Antrag mit jedmöglichem Daten aus und ignoriere gekonnt die Forderung einer Bescheinigung über alpine Erfahrungen im Schneesturm

Schritt 3: Schicke weitere 5 Mails zurück um die zusätzlich nachgefragten Daten anzugeben. Hier fehlte eigentlich nur noch die Schuhgröße des Cousins 3ten Grades.

Schritt 4: Reserviere einen Schlafplatz in den Berghütten auf denen man vorraussichtlich nächtigen wird

Schritt 5: Buche den Bus von Taipei zur Talstation, welcher einige Kilometer vor dieser stoppt und einem die Bewältigung der restlichen Distanz selbst überlässt

Schritt 6: Versuche vergeblich eine Wanderkarte zu finden deren Druck nach einem letztjährigen Felsrutsch gesetzlich verboten wurde. Die föderale Ansicht des Ganzen lautet wohl: „Lieber orientierunslos ins unbewohnte Gebirge, als dass Wege nun 10Meter weiter hangabwärts liegen auf der „veralteten“ Karte angegeben werden.“ Neue Messungen sind für 2016 geplant.

Schlussendlich erreicht man dann nach 4sründiger Fahrt die Talstation und ist bereit in die Tiefen des taiwanesischen Zentralgebirges vorzudringen. Zwar könnte ich über die 3tägige Wanderung Seitenlang berichten, dennoch drücken Bilder dieses einmalige Erlebnis wohl am besten aus.

Der Pfad zur Cabin in der wir unsere erste Nacht verbringen werden ist perfekt ausgeschildert ... leider nur auf Chinesisch.

Der Pfad zur Cabin in der wir unsere erste Nacht verbringen werden ist perfekt ausgeschildert … leider nur auf Chinesisch.

Zwei Nächte mit ungefähr 50 schnarchenden taiwanesischen Wanderern auf Holzplanken bei minus 5°C, ein guter Schlafsack und Oropax sind hier Gold wert.

Zwei Nächte mit ungefähr 50 schnarchenden taiwanesischen Wanderern auf Holzplanken bei minus 5°C, ein guter Schlafsack und Oropax sind hier Gold wert.

Um 3.30 morgens geht es dann schon los um pünktlich zum Sonnenaufgang auf dem Gipfel zu sein.

Um 3.30 morgens geht es dann schon los um pünktlich zum Sonnenaufgang auf dem Gipfel zu sein.

Yangmingshan National Park

Aufgrund seiner Nähe zu Taipei zieht diese kleine Ansammlung vulkanischer Berge jedes Wochenende Naturfreunde aus der ganzen Stadt an. Mit MRT und Bus ist das National Park Center in ca. 1,5 Std. erreicht, wovon man verschiedenste Wanderwege zu heißen Quellen oder einem der 2 Gipfel über 1100 Meter hohen Gipfel wählen kann. Von dort oben hat man im Optimalfall einen wunderbaren Panoramablick über das gesamte Stadtgebiet im Süden und im Norden bis ans Meer. Problem hierbei ist nur, dass der National Park an ungefähr 300 Tagen im Jahr in dichten Wolken versinkt und sich die Sicht somit auf den Wanderpartner 10 Meter hinter einem beschränkt. Also, gut auf feuchtes Wetter vorbereiten und vorsichtshalber das taiwanesische Regencape in Mülltütenoptik einpacken!

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Nils Finger absolvierte sein Auslandssemester 2014/15 in Taiwan. In seinen Blogartikel berichtet er über seine Erfahrungen

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